14.4.2019
Erektile Dysfunktion
8 Minuten Lesezeit

Häufigste Ursachen für Erektile Dysfunktion

Studien deuten darauf hin, dass bis zu 52% der Männer zwischen 40 und 70 Jahren an Erektile Dysfunktion (ED) leiden. Es kann jedoch Männer jeder Altersgruppe betreffen und mit einer eingeschränkten Lebensqualität einhergehen. Glücklicherweise gibt es heute effektive Behandlungsmethoden. Doch bevor man die richtige Option zur Behandlung für sich selbst findet, muss man verstehen, was die Ursachen für ED sind. Denn ED kann viele verschiedene Gründe haben, die von organischen und psychologischen Ursachen bis zum individuellen Lebensstil reichen.

Impotenz ist nicht gleich Impotenz

Als Impotenz bezeichnet man für gewöhnlich die Schwierigkeit eines Mannes, eine Erektion bei sexueller Erregung zu bekommen oder aufrecht zu erhalten ("Impotentia coeundi"). Das ist aber so nicht ganz richtig, denn Impotenz ist sowohl ein Oberbegriff für alle Störungen des Geschlechtsverkehrs sowie der Fortpflanzung. Umgangssprachlich wird er meist gleichbedeutend mit Impotentia coeundi verwendet, dem Fachbegriff für ED. Aufgrund der größeren Begriffsbedeutung von Impotenz sowie der historisch negativen Belastung verwendet man heute an Stelle des fachlich nicht korrekten Begriffs "Impotenz" den eigentlichen Fachbegriff “Erektiler Dysfunktion” (ED).

Doch auch ED selbst ist noch ein weiter Begriff, welcher das Ergebnis verschiedener medizinischer und psychologischer Faktoren sowie des Lebensstils einer Person beschreibt. Um zielgerichtete, erfolgreiche Behandlung zu gewährleisten, ist es wichtig, sich bewusst zu werden, welche Ursachen es für eine Erektile Dysfunktion geben kann und bei Bedarf nicht nur die Symptome, sondern die primären Erkrankungen zu behandeln.

Organische Ursachen

Als organische Ursachen betrachtet man körperliche Erkrankungen, die zur Erektilen Dysfunktion führen können. Das sind zum Beispiel:

  • Vaskuläre Erkrankungen (Hypertonie, Arteriosklereose und Thrombosen der Beckengefäße)
  • Diabetes mellitus (50% der Diabetiker haben eine Erektionsstörung)
  • Multiple Sklerose und andere neurologische Erkrankungen
  • Endokrine Erkrankungen
  • Benigne Prostatahyperplasie

Vaskuläre Erkrankungen

Es ist inzwischen anerkannt, dass die vaskuläre Erkrankung der Penisarterien die häufigste Ursache für ED ist und bis zu 80% der Fälle ausmacht. Durch die verengten Gefäße kann kein ausreichender Blutfluss zum Penis gelangen und die Erektion findet nicht statt, denn die Erweiterung der Penisarterien und der Verschluss der Venen ist der Hauptmechanismus, um eine Erektion zu bekommen. Abnormalitäten in diesem System sind bei Arteriosklerose (Kalkablagerung in den Gefäßen) vorhanden und spielen eine wichtige Rolle in der Entstehung der Erektilen Dysfunktion.

Diabetes

ED tritt bei Männern mit Diabetes Mellitus (DM) im Vergleich zu Männern ohne DM in einem früheren Alter auf. Die altersabhängige Wahrscheinlichkeit einer vollständigen ED ist nahezu dreimal höher. Mehr als 50% der Männer entwickeln innerhalb von 10 Jahren nach der Diagnose DM eine Erektile Dysfunktion. Das Risiko für ED steigt mit der Dauer der schlechten Blutzuckerkontrolle und Komplikationen von DM, wie Gefäßerkrankunge und Schädigung der Nerven, an. Studien haben gezeigt, dass die Häufigkeit der Erektilen Dysfunktion bei Patienten mit Typ-1-Diabetes 49% beträgt und zwischen 24% bis 34% bei Patienten mit Typ-2-Diabetes liegt.

Neurologische Erkrankungen

Viele neurologische Störungen, einschließlich Rückenmarksverletzungen, Multiple Sklerose und Schädigungen des N. cavernosus nach schweren Operationen am Beckenkrebs, sowie radikale Prostatektomie oder vordere Resektion, führen häufig zu ED.

Zu den neurologischen Erkrankungen im Zusammenhang mit Erektilen Dysfunktion gehören:

  • Alzheimer
  • Parkinson
  • Gehirn- oder Wirbelsäulentumore
  • Multiple Sklerose
  • Schlaganfall
  • Temporallappen-Epilepsie

Prostataerkrankungen (zum Beispiel Gutartige Prostatahyperplasie (BPH))

Benigne Prostatahyperplasie steht für die Vergrößerung der Prostata, die vorwiegend Männer höheren Alters betrifft. Es ist eine sehr häufige Erkrankung, die ab dem 50. Lebensjahr etwa 50% der Männer treffen kann. Neben der bekannten Problematik beim Wasserlassen kann BPH auch zur Entwicklung einer Erektilen Dysfunktion führen.

ED als eine Nebenwirkung anderer Medikamente

Die Erektion entsteht mithilfe des Bluteinstroms in die Penisgefäße, die sich nach der sexuellen Erregung erweitern und den Schwellkörper mit Blut füllen. Gleichzeitig wird der venöse Abfluss des Blutes verhindert. Das Blut staut sich in dem Schwellkörper, der Penis wird hart und richtet sich auf. Dieser Prozess kann durch bestimmte medikamentöse Behandlungen negativ beeinflusst werden.

Beachte: Du solltest die Einnahme eines Medikaments niemals ohne der Zustimmung deines Arztes einstellen, auch wenn bekannt ist, dass es ein Grund der Erektilen Dysfunktion ist.

Beispiele für Medikamente, die bekanntermaßen Erektile Dysfunktion begünstigen können, sind:

  • Alpha-adrenerge Blocker, einschließlich Tamsulosin (Flomax)
  • Beta-Blocker, wie Carvedilol (Coreg) und Metoprolol (Lopressor).
  • Medikamente der Krebs-Chemotherapie, wie z.B. Cimetidin (Tagamet)
  • Depressiva des Zentralnervensystem, wie Alprazolam (Xanax), Diazepam (Valium) und Codein.
  • Stimulanzien des Zentralnervensystems, wie Kokain oder Amphetamine.
  • Diuretika wie Furosemid (Lasix) und Spironolacton (Aldacton).
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Prozac, Paxil)
  • Synthetische Hormone, wie z.B. Leuprolid (Eligard)

Psychische Ursachen und Lebensstil

Um eine Erektion zu erreichen, muss man zuerst eine Erregungsphase durchlaufen. Diese Phase kann unter anderem eine emotionale Reaktion sein. Liegt jedoch eine emotionale Beeinträchtigung vor, wird die Fähigkeit sexuell erregt zu werden gehindert. Vor allem bei jüngeren Männern ist die Ursache für ED oft primär psychisch bedingt. Sexualwissenschaftler und Psychologen sehen Potenzprobleme vor allem als verschlüsselte Botschaften von unserem Unterbewusstsein.

Folgende psychologische Faktoren können dahinter stecken:

  • Depression
  • Stress, Leistungsdruck
  • Hemmungen, Ängste
  • Fehlende Selbstsicherheit
  • Protest gegen das "Starker-Mann-Sein-Müssen“
  • Partnerschaftskonflikte
  • Persönlichkeitskonflikte, z. B. eine nicht eingestandene Homosexualität

Vor allem Depressionen bilden ein erhöhtes Risiko für Erektile Dysfunktion. Die Betroffenen leiden unter gedrückter Stimmung, Interessenverlust und einer Verminderung des Antriebs im Leben. Die Fähigkeit zur Freude, die Konzentration, der Schlaf und das Selbstwertgefühl können beeinträchtigt werden. Die Depression betrifft im Laufe des Lebens etwa 16% bis 20% der deutschen Bevölkerung und kann durch verschiedene Psychotherapien oder Medikamente behandelt werden.

Es ist auch möglich dass man mit einem bestimmten Partner oder einer bestimmten Situationen keine Erektion erreichen kann, was durchaus eine Beeinträchtigung in der emotionalen Ebene darstellt. Im Allgemeinen ist diese Form von ED von den organischen Ursachen durch einige Faktoren zu unterscheiden. Wenn man beim Masturbieren oder im Schlaf eine volle Erektion bekommen kann und es dann aber beim Geschlechtsverkehr nicht funktioniert, dann liegt am ehesten eine psychische Hemmung dahinter. Hier kann eine Psycho- oder Verhaltenstherapie Abhilfe schaffen. Auch Pornosucht kann zu einer Erektilen Dysfunktion führen.

Auch der gewählte Lebensstil einer Person kann zu einer Erektilen Dysfunktion führen. So kann etwa der Missbrauch von Drogen wie Kokain oder Amphetaminen ED verursachen. Auch übermäßiger Alkoholkonsum kann die Fähigkeit eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten beeinträchtigen. Ein weiterer Grund kann eine unausgewogene Ernährung sowie mangelnde Bewegung sein, da dies den Blutkreislauf belastet und in Kombination mit Übergewicht zur Entstehung von Gefäßerkrankungen führen kann, was wiederum eine Erektile Dysfunktion auslösen kann.  

Behandlung

Bei ED stehen unterschiedliche Behandlungen zur Verfügung wie verschreibungspflichtige Medikamente, Naturheilmittel und Veränderungen des Lebensstils.

Verschreibungspflichtige Medikamente

Es gibt eine Vielzahl von medizinischen Möglichkeiten, die zur Behandlung von ED eingesetzt werden können. Verschreibungspflichtige Medikamente und andere medizinische Maßnahmen zur Behandlung von ED umfassen:

  • Sildenafil (Viagra)
  • Tadalafil (Cialis)
  • Vardenafil (Levitra)
  • Testosteronersatz
  • Blutgefäßchirurgie
  • Psychologische Beratung

Vor der Anwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten lass Dich bitte von einem Arzt beraten.

Natürliche Heilmittel

Für diejenigen, die auf verschreibungspflichtige Medikamente verzichten wollen, gibt es eine Vielzahl von Naturheilmitteln, die helfen können, ED zu behandeln.

Einige natürliche oder alternative Mittel gegen ED sind:

  • Akupunktur
  • Ginseng
  • Granatapfelsaft

Vor der Anwendung von Naturheilmitteln lass Dich bitte von einem Arzt beraten.

Veränderungen des Lebensstils

Erektile Dysfunktion kann körperlicher oder emotionaler Natur sein und man kann mit Veränderungen des Lebensstils die Anfälligkeit für ED reduzieren.

Nach Angaben der Mayo-Klinik können in folgenden Bereichen Veränderungen des Lebensstils und des Verhaltens erfolgversprechend sein:

  • Einschränkungen im Konsum von Alkohol und Tabak
  • Hervorhebung der Kommunikation in der sexuellen Beziehung
  • Adressierung und Behandlung von Angstzustände
  • Sport und eine gesunde Ernährung

Ausblick

ED kann das Leben verändern und das Selbstwertgefühl beeinflussen. Und während in der Gesellschaft ED noch häufig mit dem Alter eines Mannes in Verbindung gebracht wird, muss es nicht zwangsläufig eine der Hauptursachen dafür sein. ED gilt nicht als natürlicher Bestandteil des Alterungsprozesses, es kann Männer aller Altersgruppen betreffen und verschiedene psychologische oder organische Ursachen haben. Das Alter ist demnach nur ein Einflussfaktor unter vielen.

Die Erektile Dysfunktion kann sich zwar negativ auf das Sexualleben auswirken, aber sie kann behandelt werden . Es gibt viele verschiedene Maßnahmen, um die sexuelle Funktionsfähigkeit wiederzuerlangen. Dies kann wie oben  erläutert bereits durch eine Änderung des Lebensstils erreicht werden. Sollte die Erektile Dysfunktion andauern, dann konsultiere umgehend einen Arzt, da sie ein Anzeichen für ein tiefer liegendes gesundheitliches Problem sein kann.

Die Erklärungen und Aufzählungen möglicher Behandlungsoptionen sind rein informativ und ersetzen weder die Rücksprache mit Deinem Arzt noch die Aufklärungen über die Einnahme, Wirkungsweise und Nebenwirkungen aus dem produktspezifischen Beipackzettel.