Anzeichen, Ursachen und Therapie hormoneller Ungleichgewichte
Hormonstörungen bei Männern entstehen, wenn zu wenig oder zu viele männliche Hormone wie Testosteron gebildet werden. Typische Anzeichen einer Hormonstörung sind wenig Energie, eine verringerte Libido, Muskelabbau oder Verringerung der Knochendichte. Bei Symptomen, die länger anhalten, sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Behandelt werden Hormonstörungen je nach Ursache, die in altersbedingten Veränderungen, im Lebensstil, Medikamenten oder Erkrankungen wie Diabetes oder Tumore liegen kann. Als Behandlung kommen Hormonersatztherapien, Lebensstiländerungen oder die Behandlung von zugrunde liegenden Erkrankungen infrage.

Hormone sind biochemische Botenstoffe. Sie steuern und regulieren zentrale Prozesse im Körper wie den Stoffwechsel oder die Sexualfunktionen. Das Wort „Hormon“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „anregen“ oder „in Gang setzen“. Im menschlichen Körper gibt es rund 50 bekannte Hormone, darunter sehr bekannte wie das „Glückshormon“ Dopamin, das uns alle ans Handy fesselt oder das Melatonin, das uns müde und zufrieden macht. Unter männlichen Hormonen versteht man die Hormone, die dafür verantwortlich sind, dass die typisch männlichen Körpermerkmale und Sexualfunktionen entstehen und aufrechterhalten werden. Das sind:
Auch Männer bilden Östrogen, also das typische „Frauenhormon“. Genauso bilden auch Frauen Testosteron, das typische „Männlichkeitshormon“. Der Unterschied liegt in der Menge. Ein Überschuss dieser Hormone kann beim jeweils anderen Geschlecht dazu führen, dass sie mehr Merkmale vom anderen Geschlecht ausbilden. So führt zu viel Östrogen bei Männern zum Beispiel häufig zur Vergrößerung der Brustdrüsen (Gynäkomastie). Zu wenig Östrogen kann bei Männern zum Beispiel die Gesundheit der Knochen beeinträchtigen. Das richtige Gleichgewicht an männlichen und weiblichen Hormonen ist also entscheidend für die allgemeine und sexuelle Gesundheit des Mannes.
Störungen im Hormonsystem können vielfältig sein und entstehen, wenn von einem oder mehreren Hormonen zu viel oder zu wenig produziert wird. Dabei können schon kleine Abweichungen von den Normalwerten zu deutlichen Beschwerden führen. Manche Störungen sind vorübergehend, manche chronisch, vor allem, wenn sie erblich bedingt sind. Manche Störungen sind gesundheitsgefährdend und erfordern eine Behandlung, andere sind nicht unbedingt behandlungsbedürftig, können aber die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen. Wichtig ist es daher, auf erste Anzeichen zu achten und frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen, um langfristige gesundheitliche Folgen zu vermeiden.
Störungen bei der Konzentration der männlichen Hormone zeigen sich vor allem in vier Bereichen:
Hormonstörungen zeigen sich also auf körperlicher und psychischer Ebene.

Hormonstörungen beim Mann zeigen sich häufig durch Veränderungen am Körperbau. So kann es zu Muskelschwund, einer Verringerung der Knochendichte, der Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie) oder Zunahme des Körperfettanteils kommen. Mehr Körperfett zeigt sich dabei nicht automatisch durch eine Gewichtszunahme. Schlanke Menschen können ebenfalls zu viel Körperfett haben. Auch Haarausfall kann einen indirekt hormonellen Hintergrund haben. Nämlich dann, wenn eine genetische Veranlagung dazu führt, dass die Haarfollikel überempfindlich auf Dihydrotestosteron (DHT) reagieren. DHT ist ein Hormon, das entsteht, wenn Testosteron durch ein bestimmtes Enzym (5-Alpha-Reduktase) umgewandelt wird. Man spricht dann von erblich bedingtem Haarausfall.
Bei starken Ungleichgewichten kann eine Störung bei der Testosteronproduktion oder eine Erkrankung der Schilddrüse auch zu Blutarmut (Anämie) führen.
Oftmals bemerken Betroffene eine Hormonstörung zuerst an psychischen Symptomen wie Antriebslosigkeit, Müdigkeit oder depressiven Verstimmungen. Dabei stellen die wenigsten direkt einen Zusammenhang zwischen ihren Beschwerden und einer möglichen Hormonstörung her. Zum einen, weil es nicht immer einfach ist, psychische Beschwerden von allgemeinen Stimmungsschwankungen zu unterscheiden. Zum anderen, weil psychische Erkrankungen häufig noch stigmatisiert sind und Betroffene sich scheuen, damit offen umzugehen. Bei psychischen Beschwerden sollte man also immer auch die Möglichkeit einer Hormonstörung in Betracht ziehen und sich ärztlich untersuchen lassen.
Störungen im männlichen Hormonhaushalt zeigen sich natürlich auch bei den Sexualfunktionen. Sehr häufig führen Hormonstörungen zu sexueller Unlust und verringertem sexuellem Verlangen (mangelnde Libido). In manchen Fällen können auch sexuelle Dysfunktionen entstehen, die von Erektionsstörungen bis zu einer gestörten Spermienbildung und Unfruchtbarkeit (Impotenz) reichen können.

Der Zyklus der Fortpflanzungshormone beginnt im Gehirn im Hypothalamus (eine Gehirnregion, die zahlreiche Körperfunktionen reguliert).
Erkrankungen, Medikamente, Lebensstil oder ganz einfach das Alter — Hormonstörungen können verschiedene Ursachen haben. Den genauen Auslöser für Beschwerden herauszufinden, ist wichtig, da sich die Behandlung nach der Ursache richtet.
Eine wesentliche Ursache für Veränderungen im männlichen Hormonhaushalt können Tumore oder Verletzungen (Traumata) sein. Insbesondere Erkrankungen oder Verletzungen am Gehirn in der Region von Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) oder in den Hoden können hormonelle Ungleichgewichte verursachen, da hier die männlichen Hormone gesteuert bzw. produziert werden. Auch Erkrankungen wie Diabetes oder Adipositas (starkes Übergewicht) können den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen.
Medikamente, allen voran Doping mit Steroiden und Anabolika (Präparate zum Muskelwachstum) oder Medikamente gegen Prostatakrebs (Antiandrogene) können insbesondere den Testosteronspiegel beeinflussen. Weiterhin können Psychopharmaka, wie Antidepressiva, oder blutdrucksenkende Mittel sich auf die Hormonsteuerung und -produktion auswirken.
Stress, unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel und Genussgifte wie Zucker, Alkohol und Zigaretten können indirekt auch die Hormone ins Ungleichgewicht bringen. Vor allem Übergewicht in Kombination mit Diabetes kann sich negativ auf den Testosteronspiegel auswirken. Chronischer Stress wiederum kann sich auf den Cortisolspiegel auswirken, welcher wiederum die Testosteronproduktion beeinträchtigen kann. Verschiedene Umweltgifte wie Industriechemikalien, Pestizide, Blei oder Quecksilber können sich ebenso auf die Balance der männlichen Hormone auswirken, besonders wenn man ihnen in hohen Konzentrationen ausgesetzt ist.
Der Testosteronspiegel bei Männern sinkt ab ca. dem 40. Lebensjahr kontinuierlich, aber sehr langsam um rund 1 Prozent pro Jahr1. Ein direkter Vergleich mit der weiblichen Menopause, bei der die Produktion weiblicher Sexualhormone abrupt mehr oder weniger komplett eingestellt wird, ist also irreführend. Auch haben die meisten Männer keine Beschwerden durch den sinkenden Testosteronspiegel und nur 10 bis 25 Prozent der Männer haben einen Testosteronspiegel, der für ihr Alter als zu niedrig gilt1. Erfahre mehr zum Thema im Artikel ‚Kommen auch Männer in die Wechseljahre?‘
Eine gute erste Anlaufstelle bei Symptomen und Beschwerden ist die Hausarztpraxis. Der Hausarzt oder die Hausärztin kennen die Krankengeschichte und können eventuelle Störungen einordnen. Falls erforderlich, kann von dort eine Überweisung zum Urologen (Spezialistin / Spezialist für Erkrankungen der Geschlechtsorgane) oder zu einem Endokrinologen (Spezialistin / Spezialis für das menschliche Hormonsystem) überweisen.
Diagnostiziert werden Hormonstörungen mit einem einfachen Bluttest. Je nach vermuteter Ursache gibt es dabei Besonderheiten zu berücksichtigen. So sollte z. B. der Testosteronspiegel morgens mehrfach gemessen werden, da er im Laufe des Tages stark schwankt.
Die Diagnose einer Hormonstörung orientiert sich an den Normalwerten. Werden diese deutlich über- oder unterschritten, deutet dies in der Regel auf eine Hormonstörung hin. Da die Wirkung mancher Hormone nicht direkt mit ihrer Menge zusammenhängt, sondern mit ihrer biologischen Aktivität, werden diese in der standardisierten Maßeinheit International Unit per Liter (IU/l) angegeben. Hormone, deren Wirkung direkt von ihrer Menge abhängt, werden meist in Nanogramm pro Milliliter ng/ml gemessen.
Die European Association of Urology legte in ihren Leitlinien als Normalwert für Testosteron2 einen Wert von 3,5 ng/ml (untere Normgrenze) fest. Für FSH3 und LH4 gelten je nach Labor und Messmethode Werte zwischen 1 - 10 IU/I als normal. Bei Prolaktin5 bewegt sich der Normwert zwischen 3,0–15 ng/ml.
Die Behandlung erfolgt jeweils nach der gefundenen Ursache mit Hormonersatztherapien (vor allem bei niedrigem Testosteronspiegel und Kinderwunsch), Lebensstiländerungen (Bewegung, Ernährung, Stressmanagement) oder der Behandlung von zugrunde liegenden Erkrankungen wie Diabetes, Tumore oder Verletzungen.
Achtung! Hast Du den Verdacht, dass bei Dir ein Testosteronmangel vorliegt? Dann solltest Du Dich nicht auf Ergebnisse von Selbsttests für zuhause verlassen. Der Testosteronspiegel ist von vielen Faktoren abhängig und schwankt im Laufe des Tages. Eine verlässliche Diagnose erfordert mehrfache Messungen und weitergehende Untersuchungen.
Die Behandlung erfolgt jeweils nach der gefundenen Ursache mit Hormonersatztherapien (vor allem bei niedrigem Testosteronspiegel und Kinderwunsch), Lebensstiländerungen (Bewegung, Ernährung, Stressmanagement) oder der Behandlung von zugrunde liegenden Erkrankungen wie Diabetes, Tumore oder Verletzungen.
Typische Symptome wie geringe Libido, Veränderungen bei Muskeln oder Fettverteilung, Antriebslosigkeit und Müdigkeit sollte man spätestens dann untersuchen lassen, wenn sie mehrere Wochen anhalten und es keine Anzeichen einer Verbesserung gibt. Jedes dieser Symptome kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, deshalb ist es umso wichtiger, sie abzuklären.
Selbst wenn die Beschwerden leicht sind, auf Dauer können sie die Lebensqualität deutlich beeinflussen. Zudem besteht die Gefahr, dass nicht behandelte Hormonstörungen langfristig zu sexuellen Funktionsstörungen führen und das Risiko für Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, erhöhtes Cholesterin, Osteoporose, Blutarmut oder Depressionen erhöhen.
Typische Symptome einer Hormonstörung beim Mann sind nachlassende Libido, Erektionsprobleme, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen. Außerdem können Muskelabbau, vermehrtes Bauchfett, Brustwachstum, Haarausfall, Knochenschwund und Schlafstörungen auftreten. Auch die Fruchtbarkeit kann beeinträchtigt sein.
Beim Mann sind besonders häufig das Sexualhormon Testosteron sowie die Steuerungshormone LH und FSH gestört. Ein Mangel an Testosteron kann die Sexualfunktion, die Spermienproduktion, den Muskelaufbau und die Knochengesundheit beeinträchtigen. Störungen von LH und FSH wirken sich ebenfalls negativ auf die Hodenfunktion und die Fruchtbarkeit aus.
Eine Hormonstörung beim Mann erkennt man oft an Anzeichen wie Libidoverlust, Erektionsproblemen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Muskelabbau oder Gewichtszunahme. Klarheit bringt eine Blutuntersuchung, bei der der Testosteronspiegel und andere wichtige Hormone wie LH und FSH geprüft werden.
Hormonstörungen beim Mann können durch viele Faktoren verursacht werden, darunter Alterungsprozesse, Übergewicht, chronischer Stress oder bestimmte Medikamente. Auch Schäden an der Hypophyse oder den Hoden können eine Rolle spielen.
Die Behandlung einer Hormonstörung beim Mann hängt von der Ursache ab. Häufig wird ein Testosteronmangel mit einer Hormonersatztherapie in Form von Spritzen oder Gel ausgeglichen. Bei Kinderwunsch können spezielle Hormone eingesetzt werden, um die Spermienproduktion anzuregen. Zusätzlich helfen ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, Bewegung und Stressreduktion, den Hormonhaushalt zu stabilisieren.
Einer Hormonstörung beim Mann kann man nicht immer vorbeugen, aber ein gesunder Lebensstil hilft, das Risiko zu senken. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum. Auch das Vermeiden von Stress und das rechtzeitige Behandeln chronischer Krankheiten können den Hormonhaushalt positiv beeinflussen.
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