Ejakulation: Wie häufig ist gesund?

Von Psyche bis Prostatakrebs: Können Enthaltsamkeit oder Maßlosigkeit schädlich sein?

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Geschrieben von
GoSpring Redaktion
Letzte Änderung
11.09.2025
Lesezeit
10
min
Das Wichtigste in Kürze
  • Regelmäßiges Ejakulieren kann sich positiv auf das Wohlbefinden und die Gesamtgesundheit auswirken – ob dies beim Sex oder durch Selbstbefriedigung geschieht, ist für die rein gesundheitlichen Vorteile unerheblich. 
  • Es gibt aber keine allgemeingültige Empfehlung, wie oft ein Mann ejakulieren sollte. 
  • Es gibt Hinweise darauf, dass häufiges Ejakulieren das Risiko für Prostatakrebs verringern könnte. Wie dies geschehen könnte, ist jedoch noch unklar.
Petrischale mit Ejakulat auf rotem Hintergrund. | GoSpring

Die Ejakulation: Was passiert im Körper?

Jeder Mann kennt es: Ein Samenerguss kann das Wohlbefinden erhöhen: Danach ist man entspannter, eventuelle Schmerzen sind milder, man schläft besser oder die Stimmung ist aufgehellt. Das liegt daran, dass bei Sex und Ejakulation Neurotransmitter, die sogenannten Endorphine, und körpereigene Hormone wie Dopamin, das „Glückshormon“, oder Oxytocin, das „Bindungshormon“ ausgeschüttet werden. Offensichtlich wird bei der Ejakulation auch Sperma ausgespült, wodurch mögliche Krankheitserreger entfernt werden können.

Medizinisch gesehen ist die Ejakulation ein relativ komplexer, zweistufiger Prozess. Zuerst wird die Samenflüssigkeit in die hintere Harnröhre bewegt und dann im zweiten Schritt aus der Harnröhre ausgestoßen. Um diese Prozesse zu koordinieren, müssen das sympathische Nervensystem (steuert Kampf-oder-Flucht-Reflexe) und das parasympathische Nervensystem (steuert autonome Körperfunktionen, fördert Ruhe und Verdauung) eng zusammenarbeiten.

Information
Ejakulation und Orgasmus: ein und dasselbe?

Obwohl Samenerguss und Orgasmus in der Regel gemeinsam stattfinden, gehören sie nicht zwingend zusammen. Ein Mann kann auch ohne Ejakulation einen Orgasmus haben (trockene Ejakulation). Manche Männer üben bewusst mithilfe verschiedener Techniken, zum Höhepunkt zu kommen, ohne zu ejakulieren. Umgekehrt kann es vorkommen, dass der Orgasmus ausbleibt, obwohl der Mann einen Samenerguss hatte. Medizinisch gesehen ist die Ejakulation der körperliche Vorgang, während der Orgasmus ein separates Phänomen ist, das mit einer spezifischen sinnlichen und psychischen Erfahrung einhergeht.

Ejakulation und Gesundheit: Von Entspannung bis Prostatagesundheit

Sexuelle Befriedigung wirkt sich auf den Körper und die Psyche aus. Entsprechend kann regelmäßiges Ejakulieren in verschiedener Weise die Gesundheit unterstützen. Unter anderem, indem es 

  • die Entspannung fördert und Stress abbaut (durch Beruhigung des sympathischen Nervensystems)
  • das Wohlbefinden steigert durch die Freisetzung von Hormonen wie Dopamin und Oxytocin
  • einen tieferen Schlaf ermöglicht
  • Schmerzen lindert (z. B. Kopfschmerzen, Migräne)
  • Ängste reduziert und die Stimmung aufhellt (durch Aktivierung des parasympathischen Nervensystems) 
  • das Sexualleben verbessert, durch bessere Kenntnis des eigenen Körpers und der eigenen Bedürfnisse
  • möglicherweise Krankheitserreger aus dem Harntrakt entfernt

Kann regelmäßige Ejakulation Prostatakrebs vorbeugen? 

Hat die Ejakulation neben den positiven Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesamtgesundheit auch handfeste gesundheitliche Vorteile? Und hängen diese vielleicht damit zusammen, wie häufig ein Mann einen Samenerguss hat? Dieser Frage sind Wissenschaftler:innen der Harvard und der Boston University nachgegangen. In einer 2016 veröffentlichten Langzeitbeobachtungsstudie1 (prospektive Kohortenstudie) untersuchten sie mehr als 31.000 Männer über einen Zeitraum von 18 Jahren und analysierten den Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen, von den Teilnehmern selbst angegebenen Häufigkeit der monatlichen Ejakulationen und dem späteren Risiko für eine Prostatakrebserkrankung. Die Forscher:innen unterschieden dabei zwischen verschiedenen Altersgruppen: 20-29 und 40-49 Jahren.

Das Ergebnis: 

  • Alle Männer, die angaben, häufiger zu ejakulieren (21-mal pro Monat oder öfter), hatten ein geringeres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken als Männer, die 4- bis 7-mal pro Monat ejakulierten.
  • Demnach reduzierte sich bei häufigerer Ejakulation das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken 
  • um bis zu 19 Prozent bei den 20- bis 29-Jährigen
  • um bis zu 22 Prozent bei den 40- bis 49-Jährigen 

Die Einschränkung: 

  • Der Zusammenhang war besonders deutlich bei langsamer wachsenden, weniger aggressiven und lokal begrenzten Tumoren
  • Für Hochrisiko-Tumore oder streuende Krebserkrankungen, die auf andere Bereiche im Körper übergreifen (metastasierende Krankheitsverläufe) konnte kein eindeutiger Zusammenhang festgestellt werden.

Wie hängen Ejakulation und Krebsvorbeugung zusammen: Hypothesen 

Es scheint also einen Einfluss der Ejakulationshäufigkeit auf das Risiko für langsam wachsende Formen von Prostatakrebs zu geben. Die genauen Zusammenhänge sind jedoch noch nicht hinreichend geklärt. Bislang gibt es nur verschiedene Hypothesen, inwiefern eine häufigere Ejakulation Prostatakrebs vorbeugen könnte: 

  • Die Prostata-Stau-Hypothese2 besagt, dass durch die Ejakulation potenziell schädliche Substanzen ausgespült werden. So werden Entzündungen gehemmt, die Zellen geschützt und Hormone und Nerven reguliert. Je häufiger die möglichen Schadstoffe entfernt werden, desto besser die vorbeugende Wirkung, so die Hypothese.
  • Die Citrat-Oxidations-Hypothese3 nimmt an, dass die Ejakulation die Zellen in den Außenwänden der Prostata (Epithelzellen in der peripheren Zone der Prostata) beeinflusst und die Umwandlung von Citrat in Isocitrat hemmt. Dieser Prozess gilt als frühes Merkmal bei der Entstehung von Prostatakrebs.
  • Die Kristalline-Ablagerungen-Hypothese4 geht davon aus, dass eine häufigere Ejakulation die Bildung sogenannter intraluminaler Kristalloide (kristalline Substanzen innerhalb von Hohlräumen wie z. B. Blutgefäßen) in der Prostata verringert. Diese kristallinen Ablagerungen werden mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs in Verbindung gebracht. 

Die Zellteilungs-Hypothese5 sieht einen möglichen Zusammenhang zwischen Ejakulationsfrequenz und einer Verringerung psychischer Anspannung sowie einer Beruhigung des sympathischen Nervensystems – beides könnte die Zellteilung in der Prostata verringern und somit der Entstehung von Krebs vorbeugen.

5-, 10-, 20-mal im Monat: Wie oft sollte man(n) ejakulieren?

Was heißt das nun? 5, 10, 15, 20 oder mehr Samenergüsse pro Monat? Wie oft sollte man ejakulieren für eine gesunde Prostata? Auch wenn die oben aufgeführten Studienergebnisse zu dem Schluss führen können, dass öfter gesünder ist, gibt es keine allgemeingültige Empfehlung, wie oft ein Mann ejakulieren sollte. Sexuelle Bedürfnisse sind ebenso individuell wie gesundheitliche Faktoren. Es gibt kein „zu viel“ oder „zu wenig“ und schon gar keine zahlenmäßigen Leistungsparameter, die es zu erreichen gilt. Am besten hörst Du auf Deinen Körper und folgst Deinen eigenen Bedürfnissen. Denn was im Bereich der Sexualität in jedem Fall schaden kann, sind Zwanghaftigkeit und Leistungsdenken. 

Ejakulationshäufigkeit und Alter: Gibt es etwas zu beachten?

Die sexuellen Bedürfnisse können, müssen sich aber nicht zwangsläufig mit dem Alter verändern. Die oben genannte Studie1 stellte auch fest: Die Ejakulationshäufigkeit nahm bei den Teilnehmern im Durchschnitt mit dem Alter ab. Während der Anteil der Männer, die angaben, häufiger als 13-mal im Monat einen Samenerguss zu haben, bei den 20- bis 29-Jährigen 57 Prozent betrug, waren es bei den 40- bis 49-Jährigen nur noch rund 32 Prozent. Dennoch gibt es viele Männer, die auch im Alter sexuell noch sehr aktiv sind.

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Sex versus Selbstbefriedigung: Ein Unterschied für die Gesundheit?

Ob Du durch Selbstbefriedigung oder beim Sex mit der Partnerin oder dem Partner zum Samenerguss kommst, ist für die gesundheitlichen Vorteile unerheblich. Selbstbefriedigung ist ein ganz normaler Teil eines gesunden Sexuallebens und gehört bereits in der Pubertät zu einer gesunden sexuellen Entwicklung dazu. 

Wie häufig Du Dich selbst befriedigst, ist dabei ganz allein Deine Sache. Es gibt keine festgelegte „normale“ oder „gesunde“ Häufigkeit. Ob 1-mal pro Woche, mehrmals täglich oder nur 1-mal im Monat – wichtig ist, dass Du Deinem natürlichen Bedürfnis folgst und nicht krampfhaft versuchst, ein von außen definiertes Ziel zu erreichen. 

Wann wird Selbstbefriedigung ungesund? 

Ungesund kann Selbstbefriedigung dann werden, wenn sie einen zwanghaften Charakter annimmt. Also zum Beispiel, wenn eine Person andere Lebensbereiche vernachlässigt, um ihren sexuellen Bedürfnissen nachzukommen. Dies kann auf eine sexuelle Funktionsstörung und eventuell eine Suchterkrankung hindeuten. Genauso können eine strikte Enthaltsamkeit und zwanghafte Unterdrückung von sexuellen Bedürfnissen ein Hinweis auf eine sexuelle Funktionsstörung sein.

5 Mythen und Fakten zur Selbstbefriedigung

Mythos Fakt
Masturbieren ist schädlich Für diesen Mythos gibt es keine wissenschaftlich haltbaren Belege. Vielmehr kann Selbstbefriedigung gesundheitsfördernde Effekte wie Spannungsabbau, Stressreduktion, Schmerzlinderung, Steigerung des Wohlbefindens haben und potenziell Prostatakrebs vorbeugen.
Masturbation ist ein Zeichen von Einsamkeit oder sexueller Unzufriedenheit Auch diese Annahme ist nicht belegbar. Selbstbefriedigung ist ein ganz normaler Teil der Sexualität – bei Männern und Frauen. Masturbation bedeutet nicht, dass jemand unglücklich oder unzufrieden ist. Sie kann im Gegenteil das Selbstbewusstsein stärken und helfen, die eigenen sexuellen Bedürfnisse besser kennenzulernen und das Sexualleben zu bereichern.
Zu viel Masturbation ist gefährlich Es gibt keine feste Grenze dafür, wann häufiges Masturbieren „zu viel“ ist. Nur wenn andere Lebensbereiche darunter leiden oder körperliche Beschwerden wie Hautreizungen auftreten, sollte man innehalten. Ansonsten ist die Häufigkeit ganz individuell.
Masturbieren verschlechtert die Spermienqualität Zwar empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2–7 Tage Enthaltsamkeit vor einer Spermienabgabe, aber die Studienlage ist widersprüchlich. Wie ein Übersichtsartikel darlegt, zeigte sich bei einigen Studien, dass sich die Spermienzahl und Spermamenge nach einigen Tagen Abstinenz erhöhten. Das sagt jedoch nichts über die Qualität der Spermien (Beweglichkeit, Gesundheit) aus. Andere Studien fanden, dass bis zu 3 Tage Abstinenz vor der Spermienabgabe für eine künstliche Befruchtung die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft erhöht. Alles in allem gibt es bislang jedoch keine klaren wissenschaftlichen Belege für eine Verbesserung der Spermienqualität durch Abstinenz.
Häufiges Masturbieren verursacht Erektionsstörungen Häufiges Masturbieren ist in der Regel nicht direkt mit Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) verbunden. Erektionsstörungen haben meist physiologische, psychologische oder lebensstilbedingte Ursachen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Stress oder Angst. Allerdings kann exzessives Masturbieren in manchen Fällen zu kurzfristigen Veränderungen des sexuellen Empfindens führen, z. B. vermindertes Gefühl im Penis oder vorübergehende Erektionsprobleme aufgrund eines selbstgemachten psychischen Drucks. Diese Effekte sind aber meist nicht dauerhaft.

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Quellenangaben
Links
  1. Rider, J. R., Wilson, K. M., Sinnott, J. A., Kelly, R. S., Mucci, L. A., & Giovannucci, E. L. (2016). Ejaculation Frequency and Risk of Prostate Cancer: Updated Results with an Additional Decade of Follow-up. European Urology, 70(6), 974–982. https://doi.org/10.1016/j.eururo.2016.03.027
  2. Isaacs, J. T. (1983). Prostatic structure and function in relation to the etiology of prostatic cancer. The Prostate, 4(4), 351–366. https://doi.org/10.1002/pros.2990040405
  3. Costello, L. C., & Franklin, R. B. (2006). The clinical relevance of the metabolism of prostate cancer; zinc and tumor suppression: connecting the dots. Molecular Cancer, 5(1), 17. https://doi.org/10.1186/1476-4598-5-17
  4. Svatek, R. S., Karam, J. A., Rogers, T. E., Shulman, M. J., Margulis, V., & Benaim, E. A. (2007). Intraluminal crystalloids are highly associated with prostatic adenocarcinoma on concurrent biopsy specimens. Prostate Cancer and Prostatic Diseases, 10(3), 279–282. https://doi.org/10.1038/sj.pcan.4500954
  5. Newman, H. F., Reiss, H., & Northup, J. D. (1982). Physical basis of emission, ejaculation, and orgasm in the male. Urology, 19(4), 341–350. https://doi.org/10.1016/0090-4295(82)90186-8
  6. World Health Organization. (2021). WHO laboratory manual for the examination and processing of human semen. https://iris.who.int/handle/10665/343208
  7. Mascherek, A., Reidick, M. C., Gallinat, J., & Kühn, S. (2021). Is ejaculation frequency in men related to general and mental health? Looking back and looking forward. Frontiers in Psychology, 12. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.693121
  8. Barmer. (n.d.). Ist Selbstbefriedigung gesund? | BARMER. © BARMER 2025. Alle Rechte Vorbehalten. https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/familie/sexualitaet/selbstbefriedigung-gesund-1261468
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