18.9.2019
Health Insights
6 Minuten

Rezeptpflichtig, apothekenpflichtig, frei verkäuflich: Was ist der Unterschied zwischen den Arzneimitteln?

Arzneimittel ist nicht gleich Arzneimittel. Während sich der Kauf einiger Produkte nicht von dem Deiner Lieblingsschokolade unterscheidet, ist der Erwerb anderer Medikamente ohne einen vorausgehenden Arztbesuch bzw. eine medizinische Diagnose undenkbar. Warum das so ist, erfährst Du hier!

Rezeptpflichtige Medikamente

Ein rezeptpflichtiges Medikament bekommst Du (logischerweise) nur, wenn Dir ein Rezept - also die "Verschreibung" oder "Verordnung" eines Arztes - für das entsprechende Mittel ausgehändigt wurde.

Wann ist ein Medikament rezeptpflichtig?

Ein Medikament wird als rezeptpflichtig eingestuft, wenn das Arzneimittel einer “ärztlichen Überwachung“ bedarf. Dies ist der Fall, wenn das Arzneimittel…

  • bei falschem oder zu stark dosiertem Gebrauch die Gesundheit oder sogar das Leben des Patienten gefährden kann
  • häufig in erheblichem Umfang missbräuchlich angewendet wird und dieser Missbrauch die Gesundheit unmittelbar oder mittelbar gefährdet (z.B.Opiate)
  • Wirkstoffe beinhaltet, die neu auf dem Markt sind und dessen Wirkungen in der medizinischen Wissenschaft noch nicht allgemein bekannt sind
  • sehr große Mengen eines Wirkstoffs in einer Dosis beinhaltet (Beispiel Paracetamol: 500 mg-Tabletten sind apothekenpflichtig, 1000 mg-Tabletten sind rezeptpflichtig)

Bekannte rezeptpflichtige Medikamente sind zum Beispiel:

  • Antibiotika
  • Antidiabetika
  • Krebstherapeutika
  • Betäubungsmittel (z.B. starke Schmerzmittel, Arzneimittel auf Cannabis-Basis)

Wusstest Du? - Generika vs. Originator (Markenmedikament)

Generika sind kopierte Varianten eines Original-Medikaments (Orginator). Sie sind preislich meist günstiger als das Originalprodukt, da dessen Hersteller keine Forschungskosten tragen. Die Wirkstoffe können sich unter Umständen unterscheiden. Mehr dazu erfährst Du hier.

Wie bekommt man ein Rezept?

Basis für ein Medikamenten-Rezept ist die Diagnose eines Arztes. Diese kann von einem Arzt persönlich oder - dank der Telemedizin - online gestellt werden. Steht die Diagnose, wird Dir von dem behandelnden Arzt das passende Medikament verschrieben.

Diese Verschreibung kannst du dann in Papierform in allen Apotheken und Online-Apotheken einlösen - denn verschreibungspflichtige Medikamente sind gleichzeitig auch immer apothekenpflichtig. Wichtig: Ein Rezept kann nur ein einziges Mal eingelöst werden.

Rot, Grün, Blau, Gelb - Was bedeutet das?

"Rezeptpflichtig" bedeutet also nicht automatisch, dass das Medikament von der Krankenkasse bezahlt wird - das variiert nämlich je nach Medikament, Diagnose und Kasse. Hier kommen die verschiedenen Farben der Rezepte ins Spiel:

Rotes Papier

Das Medikament wird von einer gesetzlichenKrankenkasse erstattet

Blaues und grünes Papier

die Kosten für das Medikament werden nicht übernommen

gelbes Papier

Sonderfall Betäubungsmittel 

Apothekenpflichtige Medikamente

Wenn ein Medikament ohne ärztliche Überwachung eingenommen werden kann und eine Beratung in der Apotheke über die Wirkung und Nebenwirkung des Medikaments ausreicht, fällt die Rezeptpflicht häufig weg und das Medikament ist nur noch apothekenpflichtig. Dabei kann auf eine Apotheke vor Ort oder eine Online-Apotheke zurückgegriffen werden.

Wann ist ein Medikament apothekenpflichtig?

Wenn das Arzneimittel ein bekanntes und vertretbares Ausmaß an möglichen Nebenwirkungen enthält. Dazu gehören besonders Erkältungs- oder Kopfschmerzmittel wie:

  • Aspirin
  • Ibuprofen
  • Paracetamol
  • Voltaren
  • Dolormin
  • Dobendan

Preise vergleichen lohnt sich! Denn der Preis der Apothekenpflichtigen Arzneimittel variiert stark je nach Hersteller und Apotheke. 

Wusstest Du? - Ein wichtiger Bestandteil jedes Arzneimittels: Der Beipackzettel.

Dieser liegt jedem Medikament bei und bietet ausführliche Informationen über Wirkung, Nebenwirkung, Dosierung und Anwendung des Arzneimittels. Unbedingt durchlesen!

Frei verkäufliche Medikamente

Arzneimittel sind frei verkäuflich, wenn sie nicht nur in Apotheken erworben werden können, sondern z.B. auch in Drogerien oder Supermärkten angeboten werden.

Wann ist ein Arzneimittel frei verkäuflich?

Die Apothekenpflicht eines Arzneimittels fällt weg, wenn:

  • das Produkt nicht dazu geeignet ist, schwerwiegende Krankheiten, Leiden, Körperschäden oderkrankhaften Beschwerden zu heilen oder zu beseitigen  
  • das Produkt im Arzneimittelgesetz oder in der Verordnung über frei verkäufliche Arzneimittelexplizit genannt ist (z.B. Heilerde, Desinfektionsmittel)

Unter frei verkäufliche Arzneimittelfallen:

  • Tees
  • Nahrungsergänzungsmittel
  • Schmerz- undWärmepflaster
  • einige Gels undSalben
  • einige Nasenspraysund Augentropfen
  • einige Hustensäfteund Halstabletten
  • Insektenschutzmittel
  • Mittel gegen leichteBeschwerden, z.B. Lippenherpes

Auch hier lohnt sich der Preisvergleich, da die frei verkäuflichen Arzneimittel von sehr vielen Firmen hergestellt und zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden!

Die Erklärungen und Aufzählungen möglicher Behandlungsoptionen sind rein informativ und ersetzen weder die Rücksprache mit Deinem Arzt noch die Aufklärungen über die Einnahme, Wirkungsweise und Nebenwirkungen aus dem produktspezifischen Beipackzettel.