1.9.2019
Health Insights
6 Minuten

Wenn Mann nicht kommen kann

Richtig gehört. Was wenn Männer nicht kommen können? Beim Sex gar nicht oder nur schwer zu kommen, wird oft als reines Frauenproblem abgestempelt. Männer hingegen sollen damit keine Probleme haben und immer kommen können, wenn sie das wollen. Dieses weit verbreitete Vorurteil ist jedoch schlichtweg falsch und mitunter verantwortlich für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Orgasmus-Schwierigkeiten bei Männern.

Was ist der verzögerte Orgasmus beim Mann?

Der Mann hat einen verzögerten Orgasmus, wenn er beim Sex nach 25 Minuten oder mehr noch nicht ejakuliert hat, obwohl er dies gerne getan hätte.

Dabei unterscheidet man zwischen:

•   Hypoorgasmie: der Mann kann nur gelegentlich zum Höhepunkt kommen

•   primärer Anorgasmie: der Mann hat noch nie in seinem Leben einen Orgasmus erlebt

•   sekundäre Anorgasmie: der Mann hat im Laufe seines Lebens die Fähigkeit, einen Orgasmus zu erleben, verloren

Wie kommt es zum „nicht Kommen“?

Nur selten sind die Ursachen für eine beeinträchtigte Orgasmusfähigkeit beim Mann rein körperlicher Natur: Die Entstehung und Aufrechterhaltung des verzögerten Samenergusses beruht meist auf der Wechselwirkung zwischen physischen und psychischen Faktoren sowie bestimmten Verhaltensmustern.

Organische Ursachen

•   Diabetes

•   neurologischen Erkrankungen, z. B. multiple Sklerose, Parkinson

•   Entzündungen der Geschlechtsorgane

•   Tumorleiden, z. B. Prostatakrebs

•   hormonelle Störungen

•   Einnahme von Medikamenten, z.B. Antidepressiva

•   Alkoholkonsum

•   Beschneidung

•   zu angespannte / zu schlaffe Beckenboden-Muskulatur 

Psychische Ursachen

•   Leistungsdruck & Versagensängste

•   Selbstwertprobleme, Unwohlsein / Hemmungen

•   Ängste, z. B. vor einer ungewollten Schwangerschaft

•   zu wenig Erfahrung mit dem eigenen Körper

•   unrealistische Erwartungen, z. B. durch Pornos

•   Stress & Konflikte im Alltag / auf der Arbeit / in der Beziehung / in der Familie

•   eine zu starke Fokussierung auf die Partnerin / den Partner

•   Depression, Burn Out

•   Traumata

Verhalten als Ursache

•   zu langes Vorspiel

•   Sexpraktiken, die Dir nicht gefallen

•   Langeweile im Bett

Welche Auswirkungen kann das haben?

Wenn eine Frau mal nicht zum Höhepunkt gelangt, wird das meist nicht hinterfragt. Kommt der Mann jedoch mal nicht, wird er schnell mit Fragen konfrontiert wie: „Findest Du mich nicht attraktiv?“, „Gefällt dir der Sex nicht?“, „Was ist denn falsch mit Dir/Mir?“.

Dieses Unverständnis führt häufig dazu, dass der Mann sich noch mehr Sorgen macht und den Sex zunehmend vermeidet - ein Teufelskreis, welcher zu allem Übel auch noch eine Erektionsstörung zur Folge haben kann.

Was kann man gegen den verzögerten oder ausbleibenden Orgasmus tun? 

Garnicht oder zu spät zum Höhepunkt zu kommen, kann frustrierend sein. Doch genau wie der vorzeitige Samenerguss sind auch der verzögerte und der ausbleibende Orgasmus behandelbar. Wie?

1. Reden, reden, reden.

Wichtig ist zu Allererst, mit der Partnerin / dem Partner über das Problem zu sprechen. So können Missverständnisse geklärt und Vertrauen geschafft werden. Zusätzlich kann Druck auf beiden Seiten reduziert werden. Auch der Austausch über Vorlieben und Phantasien kann helfen, Deine Chance auf einen Orgasmus zu erhöhen!

2. Lass Dich abchecken

Lass Dich von einem Arzt - am besten von einem Urologen - mal ordentlich durchchecken. Denn der verzögerte oder ausbleibende Orgasmus kann auf ernstzunehmenden Erkrankungen beruhen, die unbedingt abgeklärt werden müssen! Auch Nebenwirkungen von Medikamenten und bereits bekannte Vorerkrankungen sollten mit einem Experten durchgesprochen werden.

3. Abwechslung

Immer der gleiche Ablauf wird schnell langweilig - das sieht auch Dein Penis so! Deshalb ist es wichtig, immer wieder Abwechslung ins Schlafzimmer zu bringen und die Routine zu durchbrechen. Vielleicht magst Du es mal ganz sanft und mal ganz hart. Probiere es aus, sowohl alleine als auch mit der Partnerin / dem Partner.

4. Trau dich

Taste Dich an Deine sexuellen Träume und Wünsche heran und lerne neue Seiten an Dir und Deinem Gegenüber kennen! Sex an verrückten Orten, Rollenspiele, Bettgeflüster, ein Dreier… lass Deiner Kreativität freien Lauf!

Wichtig: Tausche Dich mit Deiner Partnerin / Deinem Partner über die Phantasien aus, damit Ihr euch beide wohlfühlen könnte.

5. Sexualtherapie

Bei der Sexualtherapie werden Ehrlichkeit, Akzeptanz und Offenheit für neue sexuelle Erfahrungen beider Partner gefördert. Außerdem können tiefgründige Ursachen für die Orgasmus-Probleme ausfindig gemacht und angegangen werden - z. B. Traumata, Selbstwertprobleme oder unrealistische Erwartungen an den Sex.

Die Erklärungen und Aufzählungen möglicher Behandlungsoptionen sind rein informativ und ersetzen weder die Rücksprache mit Deinem Arzt noch die Aufklärungen über die Einnahme, Wirkungsweise und Nebenwirkungen aus dem produktspezifischen Beipackzettel.