Health Insights

Männergesundheit in den Medien

Ein Vergleich

Themen der Männergesundheit kommen in der Öffentlichkeit - speziell in den Medien - deutlich kürzer als Inhalte, die sich mit der Gesundheit der Frau beschäftigen. Dieses Phänomen wird in einer Studie von Spring im internationalen Vergleich untersucht.

Autor:
Tabea Lange
Geprüft von:
Aktualisiert:
3.4.2020
Frauenmagazine | Charisse Kenion - Unsplah
Frauenmagazine | Charisse Kenion - Unsplah

Über gesundheitliche Probleme sprechen - das passt nicht zum “starken Mann”. Kein Wunder, dass männliche Gesundheitsthemen in den Medien nur spärlich zu finden sind. Wie sich die Medienpräsenz von Männergesundheits-Themen auf internationaler Ebene unterscheidet und wie es mit dem weiblichen Pendant aussieht, wurde in einer Studie von Spring untersucht.

Die Gesundheit des Mannes in der Gesellschaft

Männer gelten selbst in modernen Gesellschaften noch als das “starke” Geschlecht. Der perfekte Mann sollte demnach ein erfolgreicher Geschäftsmann, ein fürsorglicher Vater, ein aktiver Sportler, ein abenteuerlicher Kumpel und ein guter Liebhaber sein. Schwächen zeigen, gilt als unmännlich.

Dass diese gesellschaftlichen Erwartungen altmodisch und kaum erfüllbar sind, ist kein Geheimnis. Trotzdem fühlen sich die meisten Männer durch die von der Gesellschaft auferlegten Regeln unter Druck gesetzt und versuchen, ihre Schwächen zu verstecken. Doch gerade das kann den Männern zum Verhängnis werden: Das Unterdrücken von Problemen sowie der Leistungsdruck, der “perfekte”, starke Mann zu sein, erzeugen Stress und können fatale Auswirkungen auf Körper und Seele haben.

Die möglichen Folgen von emotionalem Stress sind vielseitig. So kann es zu psychischen Erkrankungen, einer frühzeitigen Alterung, fahler oder schnell alternder Haut¹, schütter werdendem Haar² oder Erektionsstörungen³ kommen. Diese gesundheitlichen Probleme werden von vielen Männern als schwach und unmännlich angesehen. Die Folge: Ein Teufelskreis, in dem Männer ihre Probleme für sich behalten und diese damit unbehandelt voranschreiten können.

Obwohl immer mehr Männer unter Erektionsstörungen, Haarausfall und Co. leiden, wird die Gesundheit des Mannes in der Gesellschaft wenig thematisiert - teilweise gelten die gesundheitlichen Probleme des Mannes sogar als Tabu Thema.

Männergesundheit in den Medien - eine Studie von Spring

Themen, die die Männergesundheit betreffen, sind in der Öffentlichkeit stark stigmatisiert und werden daher kaum zur Sprache gebracht⁴. 

Spring wollte es ganz genau wissen und hat in einer wissenschaftlichen Studie untersucht, inwieweit die Männergesundheit in den regionalen Medien thematisiert wird. Maßstab für die Untersuchung waren die gesundheitsbezogenen Inhalte der populärsten Männermagazine verschiedener Länder. Die Ergebnisse wurden zusätzlich mit den populärsten Frauenzeitschriften verglichen.

Die Anzahl der Berichterstattungen über geschlechtsspezifische Gesundheitsthemen ist für Frauen immer höher als für Männer.

Dominanz der gesundheitlichen Inhalte in Frauenmagazinen: Die Anzahl der Berichterstattungen über geschlechtsspezifische Gesundheitsthemen ist - unabhängig von der Region - für Frauen immer höher als für Männer.

Die Methode der Spring-Studie

➊ In der Spring-Studie wurden für jede der untersuchten Regionen die 10 populärsten und auflagenstärksten Zeitschriften für die Zielgruppen Männer bzw. Frauen ermittelt. Die Untersuchung wurde international und differenziert in den englisch- und deutschsprachigen Ländern Großbritannien (UK), United States (USA) sowie in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) durchgeführt.

❷ In den verschiedenen Magazinen wurden Gesundheitsprobleme betrachtet, die durch emotionalen Stress und Leistungsdruck verursacht werden können. Dabei ergab sich ein Schwerpunkt auf die Gesundheit von Haut und Haaren sowie der Sexualität. Die jeweiligen Symptome der Gesundheitsprobleme äußern sich bei Männern und Frauen zwar auf unterschiedliche Weise⁵, treten in der Bevölkerung jedoch etwa gleich häufig auf⁶.

❸ Für jede Zeitschrift wurde die Anzahl der journalistischen Beiträge, die Stichworte zu einem der drei analysierten Gesundheitsthemen enthielten, ermittelt. Dazu wurden die Domain des Mediums sowie Suchmaschinen genutzt. Die Suche wurde dabei so gefiltert, dass nur Artikel, die zwischen dem 01. Januar 2017 und dem 01. März 2019 veröffentlicht wurden, berücksichtigt wurden.

Thematisierung der Männergesundheit in deutschsprachigen Medien

Die drei Symptomfelder Haarverlust, Hautalterung und sexuelle Gesundheit werden im deutschsprachigen Raum deutlich öfter in Frauenmagazinen thematisiert - nämlich exakt doppelt so oft, wie in Männermagazinen!

↗ Das dominierende der drei Gesundheitsthemen ist in Deutschland sowohl in Männer- als auch in Frauenmagazinen der Haarverlust. Die Dominanz gegenüber der anderen beiden Themen (Hautalterung und sexuelle Gesundheit) ist besonders in den männlichen Zeitschriften stark ausgeprägt - es nimmt fast 80% der Gesundheitsthemen ein.

↘ Das am wenigsten behandelte Thema ist in Männerzeitschriften die Hautalterung. In Frauenzeitschriften hingegen wird am am wenigsten über die Sexualgesundheit, wie Scheidentrockenheit, berichtet.

Thematisierung der Männergesundheit in den deutschen Medien
Thematisierung der Männergesundheit in den deutschen Medien.
In den deutschen Medien kommen alle drei Gesundheitsthemen häufiger in Frauenmagazinen zur Sprache als in Zeitschriften mit männlicher Zielgruppe.

In den deutschen Medien kommen alle drei Gesundheitsthemen häufiger in Frauenmagazinen zur Sprache als in Zeitschriften mit männlicher Zielgruppe. Das dominierende ist Thema ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen Haarausfall.

Männergesundheit in den Medien: Vergleich US, UK und DACH

Fernab von Leserschaft und Auflagenzahlen können die Studienresultate auf nationaler Ebene zwischen den USA, Großbritannien und der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) verglichen werden. Dadurch können Abweichungen zwischen den Themengebieten Haarausfall, Sexualgesundheit und Hautalterung erfasst sowie lokale und kulturelle Unterschiede zwischen den Regionen ausfindig gemacht werden.

Vergleich US, UK und DACH: Haarausfall in den Medien

Haarverlust in den Medien nach Region
Haarverlust in den Medien nach Region

Haarausfall wird sowohl unter Männern als auch unter Frauen deutlich häufiger in nicht deutschsprachigem Raum (US, UK) angesprochen.

Während dünner werdendes Haupthaar und Haarverlust in deutschsprachigen Frauenzeitschriften scheinbar kaum thematisiert werden, berichten sowohl die US-Medien als auch die Frauenmagazine in Großbritannien recht häufig über diese Symptome. 

Dabei wurde fast die Hälfte (47,2%) aller untersuchten Artikel über Haarverlust bei Männern in britischen Männermagazinen publiziert. Dennoch ist selbst in Großbritannien die totale Anzahl an Artikeln über Haarausfall in den Frauenzeitschriften höher als in Magazinen, die Männer ansprechen sollen.

Vergleich US, UK und DACH: Sexualgesundheit in den Medien

Sexualgesundheit in den Medien nach Region
Sexualgesundheit in den Medien nach Region

Im Bereich Sexualgesundheit ist die USA mit mehr als zwei Drittel der Berichterstattungen den europäischen Medien klar voraus.

Dass die Potenz eines Mannes mit dem Alter nachlässt, ist ein ganz natürliches Phänomen. Darüber zu sprechen scheinbar nicht - insbesondere in Europa sind Artikel über die sexuelle Gesundheit des Mannes Mangelware. Das legen die Daten aus der Spring-Studie nahe. 

Zwischen Januar 2017 und März 2019 wurde das Thema in den 10 populärsten deutschsprachigen Magazinen nur 37 Mal aufgegriffen. Im selben Zeitraum wurde die männliche Sexualgesundheit in US-Magazinen fast achtmal so häufig thematisiert. So erschienen 73% aller Artikel zu sexuellen Gesundheitsfragen in den USA - bei den Frauenmagazinen waren es etwas weniger. 

Trotz allem, selbst in den USA wird dreimal mehr über weibliche Sexualgesundheit berichtet, als über das männliche Pendant. Dasselbe Bild zeigt sich auch in Großbritannien (dreimal mehr Berichterstattungen) und im deutschsprachigen Raum (viermal mehr Berichterstattung).

Vergleich US, UK und DACH: Hautalterung in den Medien

Hautalterung in den Medien nach Region
Hautalterung in den Medien nach Region

Die deutschsprachigen Medien sind auch bei dem Thema Hautalterung den englischen Magazinen hinten nach. Während der Anteil der Artikel zur Hautalterungen bei Frauen in UK und US relativ ausgewogen ist, dominiert in den Männermagazinen UK mit fast der Hälfte der gesamten Berichterstattungen.

Nur 13,3 Prozent aller untersuchten Beiträge über Hautalterung in Männermagazinen wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht. Dreimal so viele Artikel sind in den USA erschienen; in Großbritannien fiel die Berichterstattung sogar noch etwas höher aus. 

Dennoch: Das Thema Hautalterung ist in Frauenzeitschriften deutlich präsenter als in Magazinen für Männer. So wird in deutschsprachigen Frauenmedien fast sechsmal öfter über Hautalterung berichtet. In USA und Großbritannien offenbart die Studie eine noch stärkere Diskrepanz: US-Frauenzeitschriften berichten zwölfmal mehr über Hautalterung als Männermagazine. In Großbritannien entspricht die Diskrepanz dem Faktor 10.

Männergesundheit in den Medien: Ein Internationaler Überblick

Männergesundheit in den Medien: Ein Internationaler Überblick
Internationaler Überblick

Auch auf globaler Ebene ist ersichtlich: Frauenmagazine dominieren ihre männlichen Gegenstücke in allen Themenbereichen rund um die Gesundheit.

Die Studie von Spring zeigt, dass an Frauen gerichtete Medien in allen untersuchten Regionen häufiger über stressbedingte Körperleiden berichten als Medien, deren Zielgruppe Männer sind. 

➜ Die größte Diskrepanz zeigt sich bei dem Thema Hautalterung. So berichten Frauenzeitschriften fast zehnmal häufiger über dieses Thema als es Männermagazine tun. 

➜ Auf internationaler Ebene wurden die wenigsten Artikel über sexualgesundheitliche Leiden, wie Erektile Dysfunktion und schrumpfende Libido, veröffentlicht. Männerzeitschriften berichteten dabei noch dreimal weniger über sexuelle Funktionsstörungen als Frauenmagazine.

➜ Das Thema Haarverlust offenbart sich in der Studie als am wenigsten tabuisiert: Sowohl Männer- als auch Frauenmagazine publizierten zu diesem Thema deutlich mehr Beiträge als zu den anderen beiden Gesundheitsthemen.

Quellenangaben

¹Bährle-Rapp, M., & Bährle-Rapp, M. (2007). Hautalterung. Springer Lexikon Kosmetik und Körperpflege, 248-248.

²Raab, W. (2012). Diffuser Haarausfall. In Haarerkrankungen in der dermatologischen Praxis (pp. 49-65). Springer, Berlin, Heidelberg.

³Klotz, T. (2003). Erektile Dysfunktion—Ursachen und therapeutische Möglichkeit. In Psyche, Schmerz, sexuelle Dysfunktion (pp. 77-84). Springer, Berlin, Heidelberg.

⁴Gough, B. (2006). Try to be healthy, but don’t forgo your masculinity: Deconstructing men's health discourse in the media. Social science & medicine, 63(9), 2476-2488.

⁵Beier, K. M., Hartmann, U., & Bosinski, H. A. G. (2000). Bedarfsanalyse zur sexualmedizinischen Versorgung. SEXUOLOGIE-STUTTGART-, 7(2/3), 63-95.

⁶Laumann, E. O.; Gagnon, J. H.; Michael, R. T.; Michaels, S. (1994): The social Organization of Sexuality. Sexual Practices in the United States. London: The University of Chicago Press, Ltd.

Die Erklärungen und Aufzählungen möglicher Behandlungsoptionen sind rein informativ und ersetzen weder die Rücksprache mit Deinem Arzt noch die Aufklärungen über die Einnahme, Wirkungsweise und Nebenwirkungen aus dem produktspezifischen Beipackzettel.
Tabea Lange
Tabea Lange
Tabea Lange ist Content Creator bei GoSpring und macht medizinisches Fachjargon verständlich und greifbar für jederMann. Dabei lässt sie regelmäßig das Hintergrundwissen aus ihrem Psychologie-Studium einfließen. Thematisch deckt sie eine große Brandbreite an interessanten Themen ab - von sexuellen Funktionsstörungen über Haarausfall bis hin zur Analyse der Telemedizin.

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