Telemedizin

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Autor: Tabea Lange

Medizinisch geprüft von: Dr. med. Johannes von Büren und Ramin Shafii

Telemedizin
Die Macht der Politik

Die Politik ist die wohl mächtigste Interessengruppe in der Wertschöpfungskette der Telemedizin und befindet sich in einem starken wechselseitigen Einfluss mit der telemedizinischen Entwicklung und den verschiedenen Interessengruppen. Dabei erfüllt die Politik auf regionaler, nationaler und transnationaler Ebene verschiedene Aufgabenbereiche bezüglich der Entwicklung und Anwendung der Telemedizin - ihre Hauptaufgabe ist es jedoch, die optimalen Rahmenbedingungen für telemedizinische Anwendungen zu schaffen.

Die Interessengruppe Politik setzt sich aus verschiedenen Untergruppen und Akteuren zusammen und ist somit sehr heterogen in ihren Möglichkeiten und Interessen. Das politische System der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt sich hauptsächlich mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Telemedizin und ist für die effiziente und ausgeglichene medizinische Versorgung der deutschen Bevölkerung zuständig. Geht man von der nationalen auf die transnationale Ebene, sind besonders die Europäische Union und die Vereinten Nationen, bzw. die Weltgesundheitsorganisation, aktive Akteure in der Telemedizin. Diese Interessengruppen kurbeln das Wachstum von eHealth Anwendungen an und handeln im Interesse des Wirtschaftswachstums, der Vernetzung der medizinischen Versorgung und der gerechten Verteilung der Versorgungsangebote in Europa und auf der ganzen Welt. Eine weitere wichtige Untergruppe dieser Interessengruppe sind Non-Profit Organisationen wie “Ärzte ohne Grenzen”, welche die Telemedizin auf der ganzen Welt nutzen, um in Entwicklungs- und Krisengebieten eine bessere Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

Die einzelnen Akteure der Interessengruppe Politik unterscheiden sich dabei bezüglich ihres Einflusses, ihrer Interessen sowie ihrer Bereitschaft, Hürden zu überwinden und Risiken in Kauf zu nehmen.

Telemedizin: Politik auf nationaler Ebene

Wie beeinflussen sich die nationale Politik und die Telemedizin?

Die Regierung Deutschlands - insbesondere das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) - hat einen starken, insbesondere regulatorischen Einfluss auf die Telemedizin und kann deren Entwicklung in Deutschland grundlegend mitbestimmen. 

Das mächtigste Werkzeug der nationalen Regierung ist dabei die Gesetzgebung. So kann das BMG Gesetzesentwürfe, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften im Gesundheitssystem erarbeiten. Die entstehenden rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen sind notwendig, um die Telemedizin in Deutschland nutzen zu können. Ein Beispiel ist das E-Health Gesetz, dessen Verabschiedung im Jahr 2016 die telemedizinischen Möglichkeiten revolutioniert hat. Es enthält einen konkreten Plan für den Aufbau der sicheren Telematikinfrastruktur und die Einführung medizinischer Anwendungen. Auch das „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ (Digitale-Versorgung-Gesetz, DVG), welches 2019 vom deutschen Bundestag verabschiedet wurde, ist ein Meilenstein in Entwicklung der Telemedizin. Dieses Gesetz ermöglicht den Versicherten einen geregelten Anspruch auf die Verschreibung telemedizinischer Gesundheitsanwendungen sowie deren Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Damit wird den Versicherten ein deutlich breiteres Leistungsspektrum angeboten. Gleichzeitig spornt die neue Gesetzgebung die Gesundheitsversorger an, ihre digitalen Angebote weiterzuentwickeln und in die Innovationskraft des Gesundheitssystems zu investieren. Da die Reform des Gesundheitssystems eine wichtige Aufgabe des Bundesministeriums für Gesundheit ist, kann man auf weitere Gesetzesentwürfe hoffen, welche die Entwicklungen der Telemedizin vorantreiben werden.

Die deutsche Regierung ist ein Geflecht von Mitgliedern aller Landesteile - vom kleinsten Örtchen bis zur Millionenstadt. Zusätzlich steht die Regierung in engem Kontakt mit Unternehmen, Ärztekammern, Pharmaunternehmen, Versicherungen usw… Entsprechend kann die Politik einen entscheidenden Beitrag zu der Planung, Verwaltung und Verwendung der für die Telemedizin benötigten Ressourcen beitragen. Aufgrund des Kontaktes mit allen Teilen Deutschlands kann so eine gleichwertige medizinische Versorgung aller Landesgebiete gesichert werden. Zusätzlich können in Regionen, die weniger gut versorgt sind, die telemedizinischen Entwicklungen durch Staatsgelder gefördert werden. Dies war zum Beispiel im Bundesland Schleswig-Holstein der Fall, wo der Staat das Projekt "Telemedizin im ländlichen Raum" anhand eines Fördermittels aus dem Versorgungssicherungsfonds in Höhe von 230.000 € unterstützte.

Wie beeinflussen sich die nationale Politik und die Telemedizin?

Die Politik - insbesondere das Bundesministerium für Gesundheit - verfolgt das Ziel, das Gesundheitssystem zu reformieren und dessen Qualität stets weiterzuentwickeln. Ein wichtiger Teil der Zielverfolgung stellt dabei die Telemedizin dar. Dank der Telemedizin können die Bewohner ländlicher, dünn besiedelter Landesgebiete Deutschlands, welche keine hohe Dichte an Ärzten aufweisen, schneller und besser medizinisch versorgt werden. Dadurch wird die teils suboptimale Infrastruktur in ländlichen Regionen - zum Beispiel in den neuen Bundesländern - aufgewertet und die Qualität der medizinischen Versorgung verbessert. Auch andere akute Probleme Deutschlands können dank der Telemedizin angegangen werden: Zum Beispiel der demographische Wandel mit der immer älter werdenen Bevölkerung oder die steigende Prävalenz für chronische Krankheiten. Zusätzlich kann wirtschaftlichen Problemen wie der Kostensteigerung im Gesundheitswesen durch den Ausbau telemedizinischer Anwendungen entgegengewirkt werden. Die durch die Telemedizin generierten Informationen und Daten helfen dabei, den Wissensstand in Deutschland kontinuierlich zu verbessern - jedoch sollte dabei keinesfalls der Schutz der gesammelten Gesundheitsinformationen vernachlässigt werden.

Der Ausbau der Telemedizin ist für die nationale Politik auch im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb von großem Interesse. Denn andere Länder, z.B. die Schweiz oder England, sind Deutschland bezüglich der Fortschrittlichkeit des Gesundheitssystems in vielen Punkten weit voraus. Das gilt jedoch nicht nur für europäische Länder, sondern auch im weltweiten Vergleich: So gelten China und Saudi-Arabien als Vorreiter, wenn es um den Einsatz von Digital-Health-Technologien geht. In einer Studie im Auftrag der Forschungsgesellschaft empirica aus Bonn (https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2018/november/digitale-gesundheit-deutschland-hinkt-hinterher/) wurden die Erfolgsfaktoren solcher “Vorreiterländer” ausfindig gemacht. Dabei wurden insbesondere eine effektive Strategie, politische Führung und eine politisch verankerte Institution auf nationaler Ebene als maßgeblich für eine gelingende digitale Transformation im Gesundheitswesen bestimmt. Die Politik muss also einen klaren Rahmen vorgeben und so die Entwicklung vorantreiben. Die fortgeschritteneren Länder können dabei als Vorbild für die deutsche Regierung fungieren und sie dazu inspirieren, mehr Verantwortung für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens zu übernehmen.Zusätzlich zu dem internationalen Vergleich muss die europäische und internationale Gesundheitspolitik im Hinblick auf die Globalisierung und den damit einhergehenden Gegebenheiten eng zusammenarbeiten - wobei die Telemedizin ein wichtiges Medium darstellt.

Welchen Herausforderungen muss sich die nationale Politik stellen?

Obwohl der Ausbau der Telemedizin dabei helfen kann, die Ziele des Bundesministeriums für Gesundheit schneller und effektiver zu erreichen, hakt es in Deutschland immer noch bei der Umsetzung.
Ein besonders großes Problemfeld ist dabei das Thema Datenschutz. Dabei steht immer wieder die Frage im Raum, wie ein sicherer Umgang mit den Patientendaten gewährleistet werden kann: In den verschiedenen eHealth-Anwendungen - unter Anderem in der Telemedizin - werden hochsensible Daten über die Patienten generiert, gesammelt und ausgewertet. Diese sensiblen Gesundheitsdaten an mehreren Stellen durch folgende Gesetze geschützt: das E-Health Gesetz, das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und das IT-Sicherheitsgesetz. Trotz dieser Rechtslage sind spezifische telemedizinische Anwendungen, z.B. die Nutzung von Gesundheits-Apps, noch nicht ausreichend abgesichert. Entsprechend wäre ein spezifisches Patientendatenschutzgesetz für e-Health-Anwendungen sinnvoll. Weitere Gesetzeslücken bestehen bei Fragen nach der Vergütung der Akteure der Telemedizin sowie nach der Haftung in nationalen und transnationalen Kontexten. 

Eine weitere wichtige Aufgabe der nationalen Politik ist es, gleichwertige Voraussetzungen für telemedizinischen Anwendungen in ganz Deutschland schaffen. Das stellt sich als recht schwierig heraus, da zum Beispiel die Internetverbindung in ländlichen Regionen häufig deutlich schlechter ist als in den Städten. 

Ein Risiko, das mit der Ausweitung der telemedizinischen Revolution einhergehen kann, ist, dass immer weniger Ärzte in ländlichen Regionen oder generell in Deutschland praktizieren wollen und stattdessen in urbane Regionen oder in Länder mit geringeren Lebenshaltungskosten migrieren. Somit würde eine wichtige Wirtschaftskraft in Deutschland schrumpfen. 

Zusätzlich zu diesen Hürden und Risiken übt der zunehmende internationale Wettbewerb Druck auf die nationale Regierung aus. Diese muss in vielen Fällen schnell reagieren und ihren Vorreitern nachziehen, um sich weiterhin international behaupten zu können.

Telemedizin: Politik auf transnationaler Ebene

Welchen Herausforderungen muss sich die nationale Politik stellen?

Die Europäische Union (EU) ist ein Staatenbund aus 28 europäischen Ländern, welche gemeinsame Ziele auf nationaler, europäischer und weltweiter Ebene verfolgen.
Ein wichtiger Plan der EU für das Gesundheitssystem ist der “eHealth Aktionsplan”. Dieser Plan zielt auf die Ausweitung elektronischer Gesundheitsdienste in Europa - unter Anderem auch der Telemedizin - ab. Dabei werden durch die EU…

  • ... Forschung, Entwicklung und Innovation im Bereich der elektronischen Dienste, die der Gesundheit und dem Wohlergehen dienen, unterstützt.

  • … die Einführung und Gewährleistung der Verbreitung elektronischer Gesundheitsdienste erleichtert.

  • … die politischen Dialoge und die internationale Zusammenarbeit im Bereich der elektronischen Gesundheitsdienste auf weltweiter Ebene gefördert.

Dieser “eHealth Aktionsplan” übt einen starken Einfluss auf ganz Europa aus: Sowohl grenzübergreifend als auch auf nationaler Ebene. Entsprechend ist im Aktionsplan eine enge Zusammenarbeit von nationalen und regionalen Behörden, Mitarbeitern des Gesundheits- und Sozialsystems, der Industrie, den Patienten, den Leistungserbringern, Wissenschaftlern und der EU-Organe vorgesehen.

Ein wichtiges Instrument der EU ist die Kommunikation zwischen und innerhalb der Länder und Regionen. Damit ein solcher Austausch auch in den elektronischen Gesundheitsdiensten und in der Telemedizin in Europa sicher von Statten gehen kann, ist es Aufgabe der EU, rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen aufzustellen. Zu diesem EU-Rechtsrahmen auf telemedizinische Dienste gehören Regelungen für Haftung, Kostenerstattung und Zulassung von Angehörigen der Gesundheitsberufe sowie für den Datenschutz bei grenzüberschreitende telemedizinische Anwendungen.

Die vereinten Nationen (UN) sind eine internationale Organisation mit 193 Mitgliedstaaten. Die zugehörigen Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Frieden durch internationale Zusammenarbeit und kollektive Sicherheit zu erhalten. Eine Sonderorganisation der UN ist dabei die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese Koordinationsbehörde der Vereinten Nationen ist für das internationale Gesundheitswesen verantwortlich. Dabei setzen die Mitglieder der WHO die Agenda für alle globalen Gesundheitsfragen und Pläne - unter anderem auch bezüglich telemedizinischer Anwendungen. Dabei steht vor Allem die Lösung akuter Probleme mithilfe der Telemedizin auf der Agenda. Zum Beispiel unterstützt die WHO mithilfe der Telemedizin die medizinische Entwicklung in Ländern und Regionen mit einem starken Ärztemangel und unzureichenden medizinischen Ressourcen. So können Ärzte, die in Gebieten mit einer guten Infrastruktur praktizieren, telemedizinisch in Ländern aushelfen, in denen nur wenige oder schlecht ausgebildete Ärzte verfügbar sind. Zusätzlich zu einer solchen telemedizinischen Entwicklungshilfe fördert die WHO die Forschung und Innovation telemedizinischer Anwendungen und trägt so einen großen Teil zu dessen Entwicklung auf der ganzen Welt bei.

Welchen Herausforderungen muss sich die nationale Politik stellen?

Das Hauptinteresse der Europäischen Union (EU) gilt dem Aufbau einer Grundlage für gemeinsame Politik in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen in allen Mitgliedstaaten - so auch in Fragen der Gesundheitspolitik. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei der “eHealth Aktionsplan”. Speziell die Telemedizin geht dabei mit vielen Zielen der EU einher: So können durch die Telemedizin soziale Ungerechtigkeiten in der medizinische Versorgung aus der Welt geschafft werden, da auch Menschen, die in Regionen mit einer schlechten Infrastruktur leben, schnell und qualitativ medizinisch versorgt werden können. Durch diese Verbesserung von Qualität und Zugänglichkeit der medizinischen Versorgung sowie durch die Schaffung effizienter und benutzerfreundlicher elektronischer Gesundheitsdienste verspricht sich die Europäische Kommission außerdem eine Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung. Die Telemedizin bietet jedoch nicht nur Vorteile für Patienten und Angehörige der Gesundheits- und Pflegeberufe, sondern auch für Gesundheitseinrichtungen und Behörden. Dabei kann können telemedizinische Anwendungen helfen, die Gesundheitsfürsorge gezielter und effizienter zu gestalten. Die Chancen sind kaum zu übersehen: Die sozioökonomische Gleichbehandlung wird erleichtert, die Lebensqualität steigt, das Gesundheitssystem wird transparenter und der Zugang zu Dienstleistungen und Informationen wird verbessert. Zusätzlich wird durch den Ausbau der Telemedizin die Wirtschaft angekurbelt - was sehr im Interesse der EU ist. Denn hinter den Begriffen Telemedizin und eHealth steht ein großer Markt der Digitalwirtschaft mit einem internationalen Umsatz von mehreren Milliarden Euro.¹ ²  

Die Telemedizin ist ein wichtiges Instrument der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die WHO ist verantwortlich für das internationale Gesundheitswesen und hat entsprechend einen gewaltigen Aufgabenumfang. Bei dieser Komplexität kann die Telemedizin Abhilfe schaffen - und die Kommunikation und Zusammenarbeit der einzelnen Mitgliedstaaten untereinander sowie mit der WHO trotz weiter Entfernungen vereinfachen. Zum Beispiel kann das Wissen über bestimmte Krankheiten oder Behandlungen - bei angemessenen Rahmenbedingungen - schnell und einfach zwischen Experten, Lernenden, Organisationen und Staaten kommuniziert werden. Eine solche Zusammenarbeit und Wissensverbreitung kann die Qualität des Gesundheitswesens auf ein ganz neues Level bringen.Neben der Chance einer weltweiten Qualitätssteigerung der medizinischen Versorgung kann die WHO -  dank der Telemedizin - auch akut das globale Gesundheitsniveau steigern: Durch telemedizinische Behandlungen können Erkrankungen von überall auf der ganzen Welt angegangen werden, was besonders für Entwicklungsländer und ländliche Regionen mit schlechter Infrastruktur ein bedeutender Schritt nach vorn ist. So kann die WHO mit der Telemedizin ihr Hauptziel erreichen: Eine Förderung der allgemeinen Gesundheit aller Menschen weltweit.

Welchen Herausforderungen muss sich die transnationale Politik (EU, UN) stellen?

Die EU und die UN sind Zusammenschlüsse verschiedener Mitgliedstaaten, welche sich allesamt in sozialer, religiöser und kultureller Hinsicht unterscheiden. Dementsprechend ist es unabdingbar, dass die EU und die UN bzw. die WHO in der Entwicklung und Anwendung der Telemedizin die länderspezifischen Unterschiede berücksichtigen. Dabei sollte klar sein, welche kulturellen, religiösen und sozialen Gegebenheiten die Möglichkeiten der Telemedizin antreiben oder einschränken. Diese Unterschiede zwischen den Ländern und Kulturen sollten dabei unbedingt akzeptiert und die kulturell spezifischen Akzeptanzprozesse in den Plänen und Ausführungen berücksichtigt werden. Zusätzlich sollte herausgearbeitet werden, welche strukturellen Grundlagen in den einzelnen Ländern vorhanden sein müssen, damit die Telemedizin angewandt werden kann - zum Beispiel der Zugang zu IKT-Diensten. Je nach Bedarf müssen dann entsprechende Gegebenheiten geschaffen werden, welche jedoch mit hohen Anfangskosten verbunden sind.

Um die Telemedizin europa- oder sogar weltweit sicher und effizient anwenden zu können, müssen Problemfelder in den Bereichen Datenschutz, Cybersecurity und Haftung in transnationalen Kontexten angegangen und geklärt werden. Nur mit einem klaren rechtlichen und regulatorischen Rahmen sowie einer gewissen Transparenz bei der Verwendung von Daten können telemedizinische Anwendungen über Länder hinweg funktionieren.

Telemedizin: Nonprofit-Organisationen

Wie beeinflussen sich NPOs und die Telemedizin?

Nonprofit-Organisationen (NPO) sind Organisationen, die einem gesellschaftlich sinnvoll und notwendig angesehenen Leistungsauftrag folgen. Dabei werden die Organisationen weder von erwerbswirtschaftlichen Zielen geleitet noch gehören sie öffentlichen Behörden der unmittelbaren Staats- und Kommunalverwaltung an. Beispiele sind Rotary international oder "Ärzte ohne Grenzen". Diese NPOs helfen denjenigen, die sich nicht selbst helfen können. 

Solche NPOs sind im Gesundheitssektor ein wichtiger Bestandteil. In vielen Entwicklungsländern und Krisenländern gibt es zu wenig erfahrenes Fachpersonal - insbesondere ein Mangel an Ärzten verhindert dabei eine ausreichende medizinische Versorgung… Da kommen die engagierten Mitglieder der NPOs ins Spiel: Diese können vor Ort oder durch Telemedizin in den Entwicklungs- und Krisenländern helfen. Die Telemedizin ermöglicht dabei den unmittelbaren und effektiven Erfahrungsaustausch von Experten und Spezialisten aus entwickelten Ländern mit lokalen Ärzten aus weniger entwickelten Ländern. Dieser Austausch kann entweder in „Real Time“ oder zeitversetzt geschehen - je nach Internetverbindung vor Ort. So kann zum Beispiel der anfragende Arzt aus einem Entwicklungsland verbale klinische Informationen über einen Patienten sowie Bildmaterial auf einen Server laden, welche dann von Experten aus aller Welt begutachtet werden können. Ein Beispiel dafür ist das iPath Projekt, in dessen Rahmen bereits über 50.000 solcher Konsultationen und Falldiskussionen durchgeführt wurden.

Wieso ist die Telemedizin für die NPOs von so großem Interesse?

Die Telemedizin bietet zahlreiche Vorteile für NPOs. Würde es die Telemedizin nicht geben, wären deutlich mehr freiwillige Ärzte lokal in den Entwicklungs- und Krisenländern nötig. Das wäre jedoch mit deutlich mehr Kosten sowie mit hohen Risiken und Gefahren für die Freiwilligen verbunden. Dank der Telemedizin können engagierte Ärzte aus aller Welt in den entsprechenden Ländern Hilfe leisten - ohne persönlich anwesend zu sein. An dem direkten, telemedizinischen Austausch mit den lokalen Ärzten profitieren dabei nicht nur die Patienten, sondern auch die Ärzte vor Ort. Diese können nämlich durch die Kommunikation mit erfahrenen Fachkollegen ihr Wissensspektrum erweitern und die neu gesammelten Informationen an lokales Fachpersonal weitergeben. Auch die Arbeit freiwilliger Helfer vor Ort wird durch die Möglichkeit, sich Antworten von Fachärzten aus entwickelten Ländern einzuholen, erleichtert. Die Qualität der medizinischen Versorgung durch NPOs kann durch die Telemedizin also sowohl direkt als auch indirekt nachhaltig verbessert werden.

Welchen Herausforderungen müssen sich die NPOs stellen?

Die Telemedizin ist ein wichtiges Instrument der NGOs und erspart den freiwilligen Ärzten Zeit und Risiken. Für einen funktionierenden, telemedizinischen Austausch zwischen den Ärzten der entwickelten Länder und deren lokalen Fachkollegen in den Entwicklungsländern sind jedoch gute Internetverbindungen, ausreichende technische Ausstattungen sowie technisches Wissen Voraussetzung. Diese Gegebenheiten sind jedoch in vielen Entwicklungs- und Krisenländern Mangelware - und müssen somit zunächst unter hohen Investitionskosten geschaffen werden. Eine weitere Einschränkung liegt darin, dass einige lokale Ärzte nicht gewillt sind, sich an weit entfernte Ärzte zu wenden und auf deren Diagnosen oder Praktiken zu vertrauen. Deshalb werden - trotz der telemedizinischen Möglichkeiten - weiterhin tatkräftige Freiwillige vor Ort gebraucht, die die Anweisungen aus den entwickelten Ländern korrekt durchführen können und wollen.

Quellen