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Männergesundheit in den Medien: ein Vergleich

Erfolgreich im Job, fürsorglich als Familienvater, gleichzeitig ein perfekter Liebhaber, verständnisvoller Kumpel und sportlich aktiv: Schwäche zeigen, gilt als unmännlich. Und obwohl klar ist, dass Emotionalität oder Krankheiten keine Makel sind, halten wir uns an die strengen, gesellschaftlich auferlegten Regeln. In besonders stressigen Situationen oder wenn die Anspannung über eine längere Zeit anhält, kann der Druck schnell reale, physische Auswirkungen auf Körper und Seele haben. Fahle Haut, schütter werdendes Haar und Erektionsstörungen sind weitverbreitete Probleme unter denen nicht wenige Männer leiden. Unsere tägliche Lebenssituation und vor allem negativer Stress, aber auch körperliche Krankheiten, können das Auftreten der unschönen Symptome verstärken und natürliche Alterungsprozesse beschleunigen. Mit steigendem Alter steigt das Risiko für schwindende Potenz auf ganz natürliche Weise. Obwohl das Phänomen in der Regel keinen Grund zur Sorge bietet, kann es frustrierend sein, wenn der Sex nicht mehr wie gewohnt funktioniert.

Abbildung: Die Anzahl der Berichterstattung über Gesundheitsthemen ist unabhängig von der Region für Frauen immer höher als für Männern.

Dominanz der Frauenmagazine in allen Regionen. Die Anzahl der Berichterstattung über Gesundheitsthemen ist unabhängig von der Region für Frauen immer höher als für Männern.

Themen, die die Männergesundheit betreffen, sind öffentlich stark stigmatisiert und werden daher kaum zur Sprache gebracht. Kaum jemand gibt freiwillig zu, wenn die Manneskraft nachlässt. Wir wollten es ganz genau wissen und haben untersucht in welcher Häufigkeit die regionale Presse – die populärsten Männermagazine in den USA, Großbritannien, in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie international – über Themen, die die Männergesundheit betreffen berichten. Anschließend haben wir dieses Ergebnis mit der Frequenz verglichen, mit der die populärste Frauenpresse gleichwertige Symptome der Frauengesundheit thematisch aufgreift.

Situation in deutschsprachigen Medien

Die drei Symptomfelder Haarverlust, Hautalterung und sexuelle Gesundheit werden im deutschsprachigen Raum deutlich öfter in Frauenmagazinen thematisiert, nämlich exakt doppelt so oft, wie in Männermagazinen. Auffällig ist, dass sich mehr als die Hälfte aller untersuchten Artikel in der Männer-, wie Frauenpresse mit dem Haarverlust beschäftigen. In Medien mit Männern als Zielgruppe dominiert das Thema, gegenüber Symptomen im Bereich Hautalterung und sexuelle Gesundheit, sogar zu 78,4 Prozent. In Frauenzeitschriften wird am wenigsten über Sexualgesundheit, wie Scheidentrockenheit, gesprochen, in Männerzeitschriften dagegen am wenigsten über Hautalterung.

Abbildung: Haarverlust, Hautalterung und sexuelle Gesundheit werden deutlich öfter in Frauenmagazinen thematisiert.
Abbildung: Das Thema Haarausfall dominiert, sowohl bei Männern als auch bei Frauen.
Abbildung: Das Thema Haarausfall dominiert, sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Im Vergleich der Themen zueinander dominiert Haarausfall sowohl bei Männern als auch Frauen über die anderen Bereiche, mit mehr als 50% der Berichterstattungen bei Frauenmagazinen, und beinahe 4 von 5 der publizierten Artikeln in Männermagazinen.

Situation weltweit

Fernab von Leserschaft und Auflagenzahlen, können die Studienresultate auf nationaler Ebene zwischen den USA, Großbritannien und Deutschland, Österreich sowie der Schweiz verglichen werden. An dieser Stelle werden nicht nur Abweichungen zwischen den Themengebieten Haarausfall, Sexualgesundheit und Hautalterung deutlich, sondern auch  lokale und kulturelle Unterschiede.

Haarausfall

HAARVERLUST IN DEN MEDIEN NACH REGION

Abbildung: Haarverlust in den Median nach Regionen.
Abbildung: Haarverlust in den Median nach Regionen.

Sowohl bei Frauen als auch Männern ist ersichtlich, dass Haarausfall im nicht deutschsprachigen Raum wesentlich häufiger angesprochen wird.

Während dünner werdendes Haupthaar und Haarverlust in deutschsprachigen Frauenzeitschriften offenbar kaum thematisiert werden, berichten US-Medien und Frauenmagazine in Großbritannien etwa gleich häufig über diese Symptome. Fast die Hälfte aller untersuchten Artikel über Haarverlust wurden in britischen Männermagazinen publiziert. Auffällig ist, dass in Großbritannien dennoch deutlich mehr über weiblichen Haarausfall berichtet wird als über schütter werdendes Haar bei Männern.

Sexualgesundheit

SEXUALGESUNDHEIT IN DEN MEDIEN NACH REGION

Abbildung: Sexualgesundheit in den Median nach Regionen.
Abbildung: Sexualgesundheit in den Median nach Regionen.

Im Bereich Sexualgesundheit ist die USA mit mehr als zwei Drittel der Berichterstattung den europäischen Medien klar voraus.

Dass die Potenz eines Mannes mit dem Alter nachlässt, ist ein ganz natürliches Phänomen. Darüber zu sprechen scheinbar nicht, wie die folgenden Daten zeigen. Zwischen Januar 2017 und März 2019 wurde das Thema in den populärsten deutschsprachigen Magazinen nur 37 Mal aufgegriffen. Im selben Zeitraum wurde männliche Sexualgesundheit in US-Magazinen fast achtmal so häufig angesprochen. 73 Prozent aller Artikel dazu erschienen in den USA. Trotz allem, auch in den USA wird dreimal mehr über weibliche Sexualgesundheit berichtet, als über das männliche Pendant. Dasselbe Bild zeigt sich auch in Großbritannien (dreimal weniger Berichterstattung) und im deutschsprachigen Raum (viermal weniger Berichterstattung).

Hautalterung

HAUTALTERUNG IN DEN MEDIEN NACH REGION

Abbildung: Hautalterung in den Median nach Regionen.
Abbildung: Hautalterung in den Median nach Regionen.

Während die deutschsprachigen Medien auch bei dem Thema Hautalterung ihren englischen Gegenstücken hinten nach sind, ist hier derAnteil der UK und US Nennungen bei den Frauen relativ ausgewogen, nur bei den Männermagazinen dominiert die UK mit fast der Hälfte der gesamten Berichterstattung.

Nur 13,3 Prozent aller untersuchten Beiträge über Hautalterung in Männermedien wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht. Dreimal so viele Artikel sind in den USA erschienen und in Großbritannien fiel die Berichterstattung sogar noch etwas stärker aus. Dennoch ist das Thema Hautalterung in Frauenzeitschriften deutlich präsenter als in Magazinen für Männer. Im Vergleich berichten deutschsprachige Frauenmedien fast sechsmal öfter über Hautalterung. Für die USA und Großbritannien offenbart die Studie eine erstaunlich hohe Diskrepanz. Im Vergleich zu Hautalterung bei Männern, berichten US-Frauenzeitschriften zwölfmal mehr Hautalterung bei Frauen. Ähnlich ist die Situation in Großbritannien, wo die Abweichung dem Faktor 10 entspricht.

Internationaler Überblick

Abbildung: Internationaler Überblick - Frauenmagazine dominieren in allen 3 Gesundheitsbereichen (Haarausfall, Sexualität, Hautalterung)

Auch auf einer rein globalen Ebene ist ersichtlich: Frauenmagazine dominieren in allen Themenbereichen rund um die Gesundheit.

Grundsätzlich zeigt die Studie, dass an Frauen gerichtete Medien in allen untersuchten Regionen häufiger über stressbedingte Körperleiden berichten als Medien, deren Zielgruppe Männer sind. Am größten zeigt sich die Diskrepanz beim Thema Hautalterung. Im Vergleich zu Männermagazinen, berichten Frauenzeitschriften fast zehnmal häufiger über dieses Thema. Als eher unverfänglicher Inhalt offenbart sich das Thema Haarverlust. Männer- wie Frauenmedien publizierten hierzu jeweils deutlich mehr Beiträge als zu den anderen beiden Themen Sexualgesundheit und Hautalterung. Am wenigsten Artikel wurden international über sexualgesundheitliche Leiden, wie Erektile Dysfunktion und schrumpfende Libido, veröffentlicht. Männerzeitschriften berichteten allerdings noch dreimal weniger als Frauenzeitschriften.

Methodik

Zu Beginn wurden die zehn populärsten und auflagenstärksten Zeitschriften für die Zielgruppen Männer bzw. Frauen des jeweiligen Marktes ermittelt. Die Untersuchung wurde in den englisch- und deutschsprachigen Ländern (UK, USA, DACH und international) durchgeführt.

Es wurden Gesundheitsprobleme betrachtet, die durch Stress und das alltägliche Leben verursacht werden. Dabei ergab sich ein Schwerpunkt auf die Gesundheit von Haut und Haaren sowie auf sexuelle Gesundheit. Die jeweiligen Symptome zeigen sich für Männer und Frauen auf unterschiedliche Weise, treten in der Bevölkerung jedoch etwa gleich häufig auf.

Für jede der Zeitschriften wurde die Anzahl der journalistischen Beiträge, die Diskussionen oder Stichworte zu jedem der analysierten Gesundheitsthema enthielten, ermittelt. Dazu wurden die Domain des Mediums und Suchmaschinen genutzt. Die Suche wurde so gefiltert, dass nur Artikel berücksichtigt wurden, die zwischen dem 01. Januar 2017 und dem 01. März 2019 veröffentlicht wurden.