22.10.2019
Haarausfall
4 Minuten Lesezeit

Wer vererbt Männern den Haarausfall?

Ganz der Papa, oder was? Das ist gerade beim erblich bedingten Haarausfall die Frage aller Fragen. Aus welcher Ecke kommt denn der Haarausfall? Musst Du Dir eher deinen Vater und dessen Vater anschauen, um zu wissen, wie es einmal bei Dir weiter geht oder sind es die Vorväter Deiner Mutter, denen Du dieses ungeliebte Erbe zu verdanken hast?

Mein Vater hat kein Haarausfall, dann bekomme ich auch keinen?

Schön wäre es, doch leider ist das nicht so einfach zu sagen. Forscher vermuten ja schon seit langem, dass der Haarausfall eine genetische Komponente hat, doch so ganz klar ist nicht, wer ihn letztlich weiter vererbt. 

Wissenschaftler konnten inzwischen allerdings eine neue Erkenntnis gewinnen. Wie ein Team aus Genetikern der Universitäten Düsseldorf und Bonn im Juli 2005 im „American Journal of Human Genetics“ veröffentlichten, ist ein verantwortliches Gen inzwischen entdeckt.

Den Schlingel, den sie dingfest machen konnten, ist ein Gendefekt, der von der Mutter zum Sohn übergeben wird. Für diese Erkenntnis piksten sie jahrelang mehrere Generationen von Männern an, die unter erblich bedingtem Haarausfall litten. Sie fanden dabei heraus, dass allen Herren eines gemein ist: Sie haben einen Defekt in der Blaupause ihrer Androgen-Rezeptoren. 

Dieser Defekt kann zwei Wirkungen haben. Entweder bilden die Betroffenen mehr Androgen-Rezeptoren in ihrer Kopfhaut aus oder ihre Rezeptoren sind stabiler, als bei Männern mit Mähne. Wie auch immer, bei beiden Wirkungen ist es so, dass die Androgene in der Kopfhaut die Haarwurzeln viel intensiver angreifen können und damit der Haarausfall verstärkt wird.

Da es sich bei diesem Gen jedoch nur um einen der möglichen Auslöser für Deinen Haarausfall handelt, kann Dir der Blick auf Mutters Vater zwar eine Tendenz anzeigen, aber es ist nur etwas wahrscheinlicher, dass Du nach ihm kommst, als nach Deinem eigenen Vater.

Damit kann man die Frage ganz klar mit einem entschiedenen „Jein“ beantworten.

Fakt: „Das mütterliche Erbgut leistet einen größeren Beitrag als das des Vaters.“

Die Aussage kann man ganz klar so treffen, doch mit Einschränkungen. Der Grund dafür ist, dass das von den Wissenschaftler dingfest gemachte „Glatzen Gen“ nicht dominant ist. Das heißt: Alles kann, nichts muss. Man kann also nie sagen, ob es nun wirklich vererbt wurde oder eben nicht. Sonst würden stets immer alle Brüder, bei denen beide Eltern die gleichen sind, mit der gleichen Haarpracht oder eben nicht herum laufen.

Doch viel wichtiger ist ja eh für Dich: „Kann und wenn ja wie kann ich diesen erblich bedingten Haarausfall anhalten?“

Wo sind wir aktuell in der Forschung?

Schon seit den 90er Jahren des letzten Jahrtausends forschen Wissenschaftler ganz intensiv nach dem oder den Gen/en, die für den erblich bedingten Haarausfall verantwortlich sind. 

Leider haben sie inzwischen schon über 100 solcher Gene gefunden - die meisten davon, werden tatsächlich von der Mutter übertragen. Das weiß man, da sie auf dem X-Chromosom zu finden sind und das kommt ja bekanntlich von der Mutter stammt.

Im Januar 2011 haben Wissenschaftler um den Hautarzt George Cotsarelis im Journal der „The American Society for Clinical Investigation“ eine Studie veröffentlicht, die wiederum zum Ergebnis kommt, dass die Stammzellen in den Haarfollikeln Auslöser für den gefürchteten männlichen Haarausfall sind. Sie konnten aufzeigen, dass die Stammzellen bei Betroffenen sich nicht weiter entwickeln. So fehlt irgendwann einfach der Nachschub an Follikelzellen.

Was Hoffnung gibt ist die Tatsache, dass die Forscher bestätigen konnten, dass die Stammzell-Anzahl in den kahlen Hautbereichen gleich hoch war, wie in den behaarten Kopfhautbereichen. Deswegen hoffen sie darauf, dass diese „schlummernden“ Stammzellen irgendwann einmal reaktiviert werden können. Dahin gehen aktuell die Forschungen dieser amerikanischen Forscher.

Leider ist auch heute noch nicht in Gänze geklärt, welche Mechanismen zum Tragen kommen, wenn bei Dir die Geheimratsecken immer mehr Raum einnehmen, so dass Du auch weiterhin auf die Zukunft hoffen musst.

Was heute jedoch schon gemacht werden kann, ist Deinen Haarausfall zuverlässig zu stoppen. Vor allem dann, wenn Du schon frühzeitig damit beginnst, kann die Anwendung von Finasterid und Minoxidil. Dies sind die beiden Stoffe, die nachweislich Erfolg bei erblich bedingtem Haarausfall im Anfangsstadium bringen. 



Die Erklärungen und Aufzählungen möglicher Behandlungsoptionen sind rein informativ und ersetzen weder die Rücksprache mit Deinem Arzt noch die Aufklärungen über die Einnahme, Wirkungsweise und Nebenwirkungen aus dem produktspezifischen Beipackzettel.