8.5.2019
Health Insights
10 Minuten

Was ist ein Orgasmus? Das wohl schönste Gefühl der Welt.

Der Orgasmus, auch Klimax genannt, ist bekannt als der Höhepunkt des sexuellen Lusterlebens. Mit starker körperlicher Lust verbunden, beinhaltet dieser die Entladung von angestauter sexueller Spannung gefolgt von einem Gefühl der Befriedigung. Erreichbar ist ein Orgasmus beim Geschlechtsverkehr, beim Masturbieren oder bei anderen sexuellen Handlungen und Imaginationen.

Die sexuelle Erregung und ihr Höhepunkt wurden in den 1960er Jahren von den US-amerikanischen Sexualwissenschaftlern William Masters und Virginia Johnson in vier aufeinanderfolgende Phasen aufgeteilt:

1.    Erregungsphase

2.    Plateauphase

3.    Orgasmusphase

4.    Rückbildungsphase

Dieses Vier-Phasen Modell ist heute noch gültig.

 

Was genau passiert bei einem Orgasmus im Körper?

Um zu verstehen, wie der Orgasmus entsteht und abläuft, ist es wichtig, sich auch die vorangehenden und nachfolgenden Prozesse anzuschauen. Dabei gibt es innerhalb der verschiedenen Phasen der sexuellen Erregung große Unterschiede zwischen den Geschlechtern, welche im Folgenden dargestellt werden:

 

1. Erregungsphase

Die sexuelle Erregung kann sehr plötzlich durch körperliche oder psychische Stimulation einsetzen und sich rasch steigern. Sie kann von wenigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden andauern. Während der Erregung beschleunigt sich der Puls, der Atem wird schneller und der Blutdruck steigt.

Der Mann bekommt eine Erektion. Dabei fließt Blut in die Schwellkörper des Penis, so dass er sich aufrichtet und steif wird. Hoden und Hodensack ziehen sich zusammen.

Bei der Frau fließt Blut in die Brüste und Geschlechtsorgane. Die Klitoris und die Schamlippen schwellen an, die Scheide wird feucht und die Gebärmutter erhebt sich.

 

2. Plateauphase

Die körperliche Erregung nimmt schnell bis zu einer bestimmten Höhe zu. Sobald dieser Punkt erreicht ist, steigt sie nur noch langsam an. Die Muskelspannung steigt und die Kontrolle über den Körper lässt nach. In der Regel dauert diese Phase nicht länger als einige Minuten.

Beim Mann nimmt die Größe des Penis, vor allem um die Eichel herum, weiter zu. Ein sogenannter „Lusttropfen“ tritt aus der Harnröhrenöffnung aus. Die Hoden schwellen an.

Bei der Frau schwellen die kleinen Schamlippen weiter an. Es wird ein Sekret abgegeben, so dass der Penis besser eindringen und gleiten kann.

 

3. Orgasmusphase

Der Orgasmus ist der Höhepunkt der körperlichen Erregung. Atemfrequenz, Blutdruck und Puls erreichen ihr Maximum. Es kommt zu rhythmischen, unwillkürlichen Muskelkontraktionen nahezu aller Körperpartien. Die sexuelle Spannung entlädt sich dabei abrupt und sorgt für ein rauschartiges Gefühl und eine leichte Bewusstseinseintrübung. Dabei sind so viele Gehirnregionen aktiv wie sonst nie, darunter Teile des Belohnungszentrums, andere Hirnteile hingegen fallen einfach aus. Botenstoffe wie Dopamin und Oxytocin lösen Glücks- und Belohnungsgefühle aus. Die Intensität und Dauer des Orgasmus können variieren.

Bei dem Mann dauert der Orgasmus nur wenige Sekunden. Er ist häufig mit einem Samenerguss verbunden, bei dem Sperma aus der Harnröhre geschleudert wird. Die Beckenbodenmuskulatur zieht sich rhythmisch zusammen.

Bei der Frau zieht sich die Muskulatur der Scheide, Gebärmutter und des Beckenbodens mehrfach rhythmisch zusammen. Das untere Scheidendrittel verengt sich. Der Orgasmus kann bis zu 40 Sekunden aufrechterhalten werden.

 

4. Rückbildungsphase

Der Körper entspannt sich. Atmung, Blutdruck und Puls normalisieren sich.

Der Penis des Mannesverkleinert sich rasch wieder und die Hoden schwellen ab.

Männer empfinden in dieser Phase ein ausgeprägtes Schlafbedürfnis und sind gegenüber sexuellen Reizen weniger empfänglich. Ein neuer Orgasmus ist in dieser Phase nicht möglich.

Einige Frauen dagegen können nach einem Orgasmus weitere Orgasmen erleben, bevor eine Rückbildungsphase eintritt.

 

Die Art, wie der Orgasmus erlebt wird, unterscheidet sich nicht nur zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen den Individuen. Die Intensität der Orgasmen variiert dabei von Mal zu Mal. Ob und wie ein Orgasmus auftritt ist dabei abhängig von organischen und psychischen Faktoren wie der körperlichen und psychischen Verfassung.

 

Interessant zu wissen…

Die direkte Stimulation der Genitalien oder anderer erogener Zonen ist übrigens keine zwingende Voraussetzung für einen Orgasmus. So kann das Gehirn bei Personen, die zum Beispiel durch eine Lähmung Berührungen im Genitalbereich nicht spüren können, neue Wege für die Lust kreieren und so durch die Berührung anderen Körperstellen einen Orgasmus erleben. Auch sexuelle Fantasien, Träume oder Sinneswahrnehmungen, wie Düfte oder Musik, können sexuelle Erregung und deren Höhepunkt auslösen.

 

Welche Orgasmus-Probleme können bei Männern und Frauen auftreten?

Dennoch, sexuelle Erregung führt nicht immer zu einem Orgasmus und ein Orgasmus nicht immer zu Befriedigung. So haben ihn einige gar nicht oder nur sehr selten, andere habe ihn, jedoch früher oder später als ihnen lieb ist - und all dies ist ganz normal. Ereignisse wie diese können dazu führen, dass die eigenen oder die Erwartungen des Partners nicht erfüllt werden, was auf beiden Seiten Stress, Frustration und Scham auslösen kann. Dabei zeigen sich verschiedene Tendenzen zu bestimmten Orgasmus-Störungen zwischen den Geschlechtern.  

Bei Männern ist häufig der Zeitpunkt, wann der Orgasmus eintritt, eine Ursache für Unwohlsein. In Industrieländern hat jeder vierte erwachsene Mann einen vorzeitigen Samenerguss. Dabei wird der sexuelle Höhepunkt bereits vor oder kurz nach dem Eindringen des Penis erreicht. 

Bei Frauen hingegen zeigt sich häufig das Phänomen, dass es sehr lange dauert, bis sie den Orgasmus erreichen oder dass sie ihn überhaupt nicht erlangen. Dies kann selbst dann der Fall sein, wenn ausreichend sexuelle Lust und körperliche Stimulation gegeben sind.

Die möglichen Ursachen für Orgasmus-Probleme sind vielfältig. Sie können zum Beispiel entstehen durch:

-    körperliche Probleme wie Durchblutungsstörungen, Hormonstörungen, Diabetes mellitus oder die Folgen von Unterleibsoperationen

-    Nebenwirkungen bestimmter Medikamente wie Antidepressiva

-    psychische Blockaden, Ängste, überzogene Erwartungen

-    Probleme in der Partnerschaft

-    Stress

-    das Leben! Wenn mal nicht alles rund läuft, dann muss nicht unbedingt etwas dahinterstecken - solange es nicht zur Regel wird!

 

Doch auch ohne einen befriedigenden Orgasmus kann das Liebesspiel sehr schön sein. Ein ausbleibender, zu früher oder zu später Orgasmus stellt also nur ein Problem dar, wenn dies als störend empfunden wird und unangenehme Gefühle auslöst.

Ist das bei dir der Fall, stehst du aber nicht allein dar und es gibt es viele Wege, die Ursache für dein Unwohlsein anzugehen und zu lösen!

Erfahre mehr zum Orgasmus und sein historische Rolle in unserer Gesellschaft.

Die Erklärungen und Aufzählungen möglicher Behandlungsoptionen sind rein informativ und ersetzen weder die Rücksprache mit Deinem Arzt noch die Aufklärungen über die Einnahme, Wirkungsweise und Nebenwirkungen aus dem produktspezifischen Beipackzettel.