6.10.2019
Telemedizin
5 Minuten Lesezeit

Der Online-Arztbesuch. Was steckt dahinter?

Online-Dating, Online-Shopping, Online-Banking… und jetzt auch noch Online-Arztbesuche. Beinahe alles lässt sich heutzutage schnell und einfach im Internet erledigen - so auch der Gang zum Arzt. In einer Online-Ärztepraxis gibt es keine überfüllten Wartezimmer mit hustenden und schnäuzenden Mitpatienten, keine quengelnden Kinder, keine unendlich lang erscheinenden Wartezeiten. Hier kannst Du Dich ganz schnell und einfach per Skype, Telefon oder Fragebogen ärztlich beraten lassen und sogar Rezepte ausgestellt bekommen. Was steckt dahinter?

Wie funktioniert ein Online Arztbesuch?

Wenn Blut abgenommen oder das Herz abgehorcht werden muss, ist der Gang zum Arzt unumgänglich. Anders sieht das zum Beispiel bei Hautausschlägen aus: diese können ganz einfach einem Dermatologen per Skype gezeigt werden oder in Form eines Fotos hochgeladen und dann analysiert werden. Auch Fragen zur Medikamenteneinnahme können blitzschnell per E-Mail oder am Telefon, oder über einen Fragebogen geklärt werden. Wobei die Schwerpunkte in der medizinischen Online-Beratung meist Themen sind, die mit Scham verbunden werden. So auch ErektileDysfunktion, Haarausfall oder Verhütung - alles Themen, die ungerne persönlich besprochen werden.  

Das einzige, was für solche Online-Arzttermine gebraucht wird, ist ein internetfähiges Gerät (PC,Smartphone oder Tablet) und eine Internetverbindung. Wird im Rahmen der Video-Sprechstunde ein Rezept ausgestellt, kann dieses in allen Apothekeneingelöst werden. 

Was ist bei der Online-Behandlung erlaubt?

In anderen Ländern Europas wie in Großbritannien oder in der Schweiz sind telemedizinische Angebote bereits gang und gäbe. Dies haben sich einige Unternehmen zu Nutze gemacht: Die reinen Onlinepraxen nutzen diese Vorreiter in Europa und vermitteln über Kooperationen Ärzte für Online Behandlungen und Beratungen. Diese können per Telefon, E-Mail oder Skype Patienten in ganz Europa beraten und behandeln. Mit dieser ausländischen Unterstützung konnten Unternehmen, das in Deutschland lang geltende Fernbehandlungsverbot umgehen.  

Was hat dieses Fernbehandlungsverbot besagt?

Nach diesem Verbot ist eine Fernbehandlung nur möglich, wenn sie auf einer persönlichen Untersuchung des Patienten durch den Arzt aufbaut. Außerdem ist es dem Arzt nicht gestattet, aus der Ferne Diagnosen zu stellen. 

Wie hat sich das Fernbehandlungsverbot gewandelt?

Der 121. Deutsche Ärztetag hat das Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung aufgehoben. Das bedeutet, dass es künftig möglich sein wird, dass Ärzte Patienten im Einzelfall ohne persönlichen Erstkontakt telefonisch oder via Internet beraten und behandeln dürfen - jedoch mit einigen Einschränkungen:

So ist die ausschließliche Online-Beratung und Behandlung nur erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist. Außerdem müssen der Aufklärung, Datenerhebung, Beratung und Behandlung eine angemessene Sorgfalt entgegen gebracht werden.

Wer bezahlt eine solche Fernbehandlung?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für medizinische Fernbehandlung nur unter bestimmten Voraussetzungen:

  • Wenn es sich bei dem Termin um die Nachsorge bei bestimmten festgelegten Indikationen (Behandlungsgründe) handelt
  • wenn sich der Patient bereits persönlich in der jeweiligen Praxis vorgestellt hat

Ist dies nicht der Fall, müssen diePatienten für die Fernbehandlung selbst aufkommen - es sei denn sie sind privat versichert.

Grenzen und Chancen der Online Arztpraxis? 

Grenzen

  • mögliche Gefahr von Fehldiagnosen
  • die ausschließliche Online-Behandlung kann dem direkten Arzt-Patienten-Kontakt unterlegen sein, vor allem wenn man andere Vorerkrankungen hat
  • Voraussetzung ist eine stabile, gute Internetverbindung, was gerade in ländlichen Regionen problematisch ist

Chancen

  • dezentralen Infrastruktur und mehr Flexibilität für Ärzte
  • der Ärztemangel in ländlichen Regionen kann so ausgeglichen werden
  • kurze Wartezeiten, insbesondere bei Fachärzten
  • Entlastung der Praxen und eine geringere Ansteckungsgefahr

Wie man sieht kommt die es auf die Situation des Patienten und die zu behandelnde Krankheit an. Bei bekannten Krankheitsumständen, die durch eine einfache Befragung eingeschätzt werden kann, ist der Online Arztbesuch einfacher und sicherer durchzuführen. Im Zweifel ist allerdings immer der persönliche Arztbesuch empfehlenswert.

Die Erklärungen und Aufzählungen möglicher Behandlungsoptionen sind rein informativ und ersetzen weder die Rücksprache mit Deinem Arzt noch die Aufklärungen über die Einnahme, Wirkungsweise und Nebenwirkungen aus dem produktspezifischen Beipackzettel.