15.11.2019
Health Insights
6 Minuten Lesezeit

Das E-Rezept

Wenn Medikamente verordnet werden, ist in Deutschland das Papierrezept der Ausgangspunkt aller Vereinbarungen zwischen Patienten, Ärzten, Apothekern und Krankenkassen. Doch der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will das ändern - und das elektronische Rezept einführen. Damit soll es Patienten möglich sein, die Verschreibungen für ihre Arzneimittel per Smartphone einzulösen. Die Einführung solcher E-Rezepte werden - nach Spahn - die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben und bei gleichbleibender Leistung den Patienten, Ärzten, Apothekern und Krankenkassen Zeit und Bürokratie ersparen.

Wie funktioniert das E-Rezept überhaupt?

Das E-Rezept kannst Du Dir einfach als digitales Gegenstück zum klassischen Rezept aus Papier vorstellen. Wenn sich der Arzt oder Patient für die digitale Variante des Rezeptes - das E-Rezept - entscheidet, wird dieses verschlüsselt in einem zentralen Informationssystem gespeichert. Auf dieses E-Rezept kann nun neben dem Arzt auch der Patient mittels eines individuellen Zugriffscodes zugreifen. Mit diesem Code kann der Patient dann die Apotheke seiner Wahl dazu befähigen, auch in das E-Rezept einzusehen. Der Apotheker kann dann anhand der Informationen in dem E-Rezept das passende Arzneimittel an den Patienten überreichen - entweder persönlich oder per Post. Das gilt auch für Folgerezepte. Ist das Medikament an den Patienten ausgehändigt worden, ändert sich der Status des E-Rezeptes im zentralen Informationssystem und die Verordnung des Rezeptes wird über das Rechenzentrum an die entsprechende Krankenkasse weitergeleitet. 

Während des gesamten Prozesses laufen die Daten durch einen gesicherten Kanal, sodass Datenmissbrauch ausgeschlossen werden kann. Wem die Variante des E-Rezeptes jedoch zu unsicher ist, kann immer noch auf das klassische Papierrezept zurückgreifen.

E-Rezept: Was spricht dafür, was dagegen?

Vorteile:

für die Apotheken: 

  • Online-Apotheken werden mehr genutzt
  • Fehler bei Übertragung von Papier auf EDV werden durch elektronische Verarbeitung vermieden

für die Krankenkassen: 

  • effizientere Abrechnung der Rezepte bei den Krankenkassen: Kosten können gespart und Krankenkassenbeiträge gesenkt werden

für die Ärzte: 

  • Entlastung & weniger volle Wartezimmer
  • schnellere digitale Verarbeitung von Rezepten

für die Patienten: 

  • Online-Sprechstunde kann zu echtem Ersatz für den Besuch beim Arzt werden, wenn auch online Rezepte verschrieben werden können
  • bessere medizinische Versorgung auf dem Land
  • medizinische Versorgung für Berufstätige wird erleichtert

Nachteile:

  • stationäre Apotheken werden weniger genutzt und werden weiter abnehmen
  • eventuelle Datenschutzbedenken

Das E-Rezept: Wie ist die Lage in Deutschland?

In 13 europäischen Ländern (z.B. Großbritannien oder Schweiz) kann das Rezept bereits auf elektronischem Weg verschrieben und eingelöst werden. In Deutschland ist dies momentan noch nicht möglich – das soll sich jedoch in naher Zukunft ändern.

Bereits seit 2 Jahrzehnten ist das E-Rezept in Deutschland ein Begriff. Es waren die Apotheker, die es ins Spiel brachten. Der Grundstein für das E-Rezept wurde mit der Gesundheitsreform von 2004, dem GKV-Modernisierungsgesetz (GMG), gelegt. Diese Reform hat die elektronische Gesundheitskarte eingeführt, die unter anderem auch die Basis für E-Rezept sein sollte. Dieser Plan ging jedoch nicht auf… und die Idee des E-Rezeptes geriet für viele Jahre in den Hintergrund.

Erst seit einigen Jahren ist das E-Rezept wieder ein Thema in der Politik. Grund dafür: Der Bundesminister für Gesundheit - Jens Spahn (CDU). Dieser hat als Verfechter der Digitalisierung im Gesundheitswesen einiges ins Rollen gebracht. So schaffte Spahn mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSVA) endlich die gesetzlichen Grundlagen für das E-Rezept. Zusätzlich setzte er neue Fristen für den Ausbau von Maßnahmen, die für die Übermittlung von ärztlichen Verordnungen von apothekenpflichtigen Arzneimitteln in elektronischer Form notwendig sind. Dazu gehört unter anderem der Ausbau der Telematikinfrastruktur. 

Außerdem wurden in Deutschland bereits regional begrenzte Modellprojekte zur Entwicklung einer e-Rezept-Technologie eingeleitet – darunter ein Pilotprojekt in Hamburg der Techniker Krankenkasse. In diesem Projekt erhalten die Patienten ihr E-Rezept auf ihr Smartphone mittels eines Codes. Dieser Code kann dann an den Apotheker übergeben werden, welcher ihn auslesen und das Medikament aushändigen kann. 

Was muss passieren, damit in Deutschland flächendeckend E-Rezepte eingeführt werden?

Die gesetzliche Grundlage für die Einführung des E-Rezeptes in Deutschland steht. Nun müssen nur noch einige Verträge angepasst und technische Hürden überwunden werden. Die technischen Bedingungen für das E-Rezept sollten dabei auf allen relevanten Seiten des Gesundheitssystems geschaffen werden. Auch Datenschutzbedenken sollten aus der Welt geschafft oder zumindest vermindert werden. 

Ebenfalls nicht zu ignorieren sind die mit dem E-Rezept einhergehenden Veränderungen auf dem Apothekenmarkt. Denn mit der Einführung des E-Rezeptes wird ein starker Rückgang der stationären Apotheken und ein starker Zuwachs im Online-Apothekenhandel erwartet. Ein weiteres wichtiges Thema, das unbedingt diskutiert werden sollte, ist außerdem der Umgang mit den umstrittenen Rabatten von Onlineapotheken aus dem EU-Ausland.

Wie Du siehst, muss noch einiges ausgebaut und diskutiert werden, bevor das E-Rezept flächendeckend in Deutschland eingeführt werden kann. Die Bundesregierung ist jedoch sehr ambitioniert… und möchte das E-Rezept bis 2020 in Deutschland einführen. Wir sind gespannt.


Die Erklärungen und Aufzählungen möglicher Behandlungsoptionen sind rein informativ und ersetzen weder die Rücksprache mit Deinem Arzt noch die Aufklärungen über die Einnahme, Wirkungsweise und Nebenwirkungen aus dem produktspezifischen Beipackzettel.